Gehalt für medizinische Fachangestellte

Sobald es um das Thema Gehalt geht, fehlt vielen MFA das Gespür für eine konkrete Zahl. Ein typisches Beispiel, das du bestimmt auch kennst: du hast dich gerade auf einen Job beworben und der neue Chef fragt dich nach deinen Gehaltsvorstellungen. Natürlich willst du nicht zu dreist sein und das potenzielle Jobangebot durch zu hohe Gehaltswünsche in Gefahr bringen. Deshalb gehen viele medizinische Fachangestellte lieber auf Nummer sicher und verkaufen sich unter Wert.

Wie ermittelt man eigentlich seinen Marktwert?

In den vielen Gruppen und Foren kommen regelmäßig Fragen zur Höhe des Gehalts für MFA auf. Wenn ich bei manchen Kommentaren lese, dass eine MFA mit 15 Jahren Berufserfahrung in ein und derselben Praxis mit 1.900 € brutto nach Hause geht, finde ich das einfach nur traurig.

Damit dir das nicht passiert, bekommst du in diesem Artikel von MFA mal anders Informationen über Gehalt, Tarifverträge und Tätigkeitsgruppen. Mit diesem Wissen, kannst du deinen eigenen Marktwert einordnen und für einen leistungsorientierten und fairen Lohn einstehen.

Vorweg klären wir zuerst ein paar Begrifflichkeiten und wie die vertragliche Lage aussieht.

Gehaltstarifverträge

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. (VMF) ist die einzige Organisation für medizinische Fachangestellte auf Arbeitnehmerseite. Sie vertritt uns medizinische Fachangestellte bei Tarifverhandlungen gegenüber der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinischen Fachangestellten (AAA). Die AAA ist die Tarifpartei der Arbeitgeber, sprich der niedergelassenen Ärzte.

Die niedergelassenen Ärzte sind nicht automatisch Mitglied in der AAA. Deshalb kann man nicht zwingend davon ausgehen, dass sich Praxen an die Gehälter im Tarifvertrag halten müssen. Arbeitgeber sind nur dann dazu verpflichtet Gehälter nach Tarifvertrag zu zahlen, wenn sowohl sie Mitglied im AAA als auch die MFA Mitglied im VMF sind.

Ehrlich gesagt, kenne ich nicht viele MFAs, die Mitglied im VMF sind. Daher wundert es auch nicht, dass so viele von uns untertariflich verdienen, wie die Kollegin aus dem Forum im obigen Beispiel.

Dennoch gibt es viele Ärzte, die sich freiwillig an den aktuellen Tarifvertrag halten oder zumindest das Gehalt für ihre medizinischen Fachangestellten daran anlehnen.

Neben dem offiziellen Tarifvertrag existieren zahlreiche Gehaltstarifverträge von privaten Unternehmen, Krankenhäusern, dem öffentlichen Dienst (z.B. wenn du bei der Kassenärztlichen Vereinigung arbeitest) und kirchlichen Trägern (wie der Caritas, der Diakonie oder der Johanniter).

Es kommt im privaten Bereich oftmals zu einer außertariflichen Bezahlung. Das muss nicht unbedingt negativ für dich ausfallen. Viele MFA werden dadurch übertariflich bezahlt.

Wenn dein Chef kein Mitglied im AAA ist, du aber darauf bestehst, dass dein Gehalt nach Tarifvertrag bezahlt wird, kannst du alternativ mit deinem Arbeitgeber vereinbaren, dass er sich freiwillig daran hält. Hier ist es ratsam, eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag aufnehmen zu lassen, die die Abmachung bindend macht.

Der Tarifvertrag hat natürlich auch einen ganz entscheidenden Vorteil: er wird regelmäßig neu verhandelt. Das Gehalt wird somit beinahe jährlich immer etwas angepasst und erhöht. Ist dein Chef verpflichtet nach Tarifvertrag zu zahlen oder hält sich freiwillig daran, musst du also keine Gehaltsverhandlungen mit dem Chef führen.

Daneben bietet der Gehaltstarifvertrag für medizinische Fachangestellte dir vor allem eine gute Orientierung, um deinen Marktwert einzuschätzen, was Qualifikation und Erfahrung angehen.

Den aktuellen Gehaltstarifvertrag für medizinische Fachangestellte findest du hier.

Der Gehaltsrechner gibt Dir eine erste grobe Richtung für Dein zu erwartendes Grundgehalt vor. Wichtige weitere Faktoren sind die tatsächliche Verantwortung, die du trägst, der Standort (Bundesland etc.), aber beispielsweise auch die Größe der Praxis. Du erhältst weitere hilfreiche Informationen zur noch besseren Einschätzung im folgenden Text und im Gehaltstarifvertrag des AAA.

Anrechnung von Berufsjahren

Ein wichtiger Indikator für die Höhe des Gehalts von MFA sind Erfahrung und Expertise, die man sich im Laufe seines Berufslebens aneignet. Je länger man im Beruf ist, desto mehr kann man logischerweise an Gehalt verlangen. Auch in den Tarifverhandlungen werden Gehälter nach Berufsjahren und Tätigkeitsgruppen vereinbart.

Schauen wir uns einmal an, wie man seine Berufsjahre ausrechnet.

Die Anrechnung deiner Berufsjahre startet ab dem 1. des Monats, wo die Ausbildung beendet wurde.

Beispiel:

Ausbildung am 16.07. beendet -> Anrechnung der Berufsjahre beginnt ab 01.07.

Bei Teilzeitbeschäftigten zählen die Berufsjahre genau wie bei Vollzeitbeschäftigung und werden komplett angerechnet.

Mutterschutz, Elternzeit und Erziehungsurlaub

Unterbrichst du die Arbeit für Mutterschutz, Elternzeit oder Erziehungsurlaub können diese Zeiten nur angerechnet werden, wenn du dich in einem aktiven Arbeitsverhältnis befindest.

Zeiten für Mutterschutz werden dann voll zu den Berufsjahren dazu gezählt.

Zeiten für Erziehungsurlaub bzw. Elternzeit werden nur zur Hälfte zu den Berufsjahren angerechnet. Arbeitest du während der Elternzeit in Teilzeit, werden die Zeiten jedoch voll dazu gerechnet.

Ein paar Beispiele zum besseren Verständnis.

Beispiel 1:

Eine MFA geht am 15. August 2016 bei errechnetem Geburtstermin am 30.09.2016 (6 Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin) bis zum 25.11.2016 (8 Wochen nach der Entbindung) in den Mutterschutz und nimmt eine einjährige Elternzeit in Anspruch. Sie kehrt am 01.10.2017 in die berufliche Tätigkeit als MFA zurück. Die MFA bekommt für diese Zeit insgesamt 8,5 Monate als Berufsjahre angerechnet.

Beispiel 2:

Eine MFA/AH geht am 15. August 2016 bei errechnetem Geburtstermin am 30.09.2016 in Mutterschutz bis zum 25.11.2016 und nimmt anschließend eine einjährige Elternzeit in Anspruch. Ab dem 01.04.2017 arbeitet sie während der Elternzeit 8 Stunden wöchentlich in der Praxis. Sie kehrt am 01.10.2017 aus der Elternzeit in die Praxis zurück. Die MFA bekommt für diese Zeit insgesamt 11,5 Monate als Berufsjahre angerechnet.

Anrechnung der Berufsjahre bei berufsnahen Tätigkeiten

Bist du vor oder nach deiner Ausbildung einer berufsnahen Arbeit nachgegangen (z.B. in einem Labor oder im Krankenhaus), werden die Zeiten zur Hälfte angerechnet. Du musst allerdings deine Prüfung zur MFA vor der Ärztekammer bestanden haben.

Beispiel:

Eine MFA arbeitet vor (oder nach) ihrer Ausbildung vier Jahre in einer Zahnarztpraxis. Hier werden 2 Berufsjahre angerechnet.

Tätigkeitsgruppen

Im Gehaltstarifvertrag für medizinische Fachangestellte werden vorhandene Kenntnisse und Qualifikationen in Tätigkeitsgruppen eingeordnet und entsprechend im Gehalt wiedergespiegelt. Die Tätigkeiten werden nach Grad der Selbstständigkeit, Anzahl der Fortbildungsstunden, leitende Tätigkeiten und Verantwortung eingeteilt. Dies gibt dir eine zusätzliche Orientierung, um dein Gehaltsniveau einschätzen zu können. Hier steigern vor allem abgeschlossene Fortbildungen und Weiterbildungen das Gehaltsniveau.

Nach welchen Kriterien sich die Tätigkeitsgruppen aufteilen, zeigt dir die nachfolgende Übersicht.

Tätigkeitsgruppe I

  • Berufseinsteiger nach abgeschlossener Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten
  • Du führst Tätigkeiten nach Anweisungen des Arztes oder einer erfahreneren Kollegin aus

Tätigkeitsgruppe II

  • Du kannst Tätigkeiten weitestgehend selbstständig ausführen
  • Du hast mind. 40 Fortbildungsstunden gesammelt und weist vertiefte Kenntnisse und Fertigkeiten in einem Arbeitsbereich auf

Fortbildungsmaßnahmen sind zum Beispiel:

  • Ambulante Versorgung älterer Menschen
  • Wundbehandlung/ Wundmanagement
  • Hygienemanagement
  • Qualitätsmanagement
  • Patientenbegleitung und Koordination
  • Datenschutz und Datensicherheit
  • Informations- und Kommunikationstechnik
  • Notfallmanagement/ Erweiterte Notfallkompetenz
  • Impfassistenz
  • Disease-Management-Programme

Tätigkeitsgruppe III

    • Du hast mindestens 80 Fortbildungsstunden gesammelt und/oder weist entsprechende Berufserfahrung nach
    • Du führst Tätigkeiten in der Durchführung der Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten aus

Fortbildungsmaßnahmen sind zum Beispiel:

    • Elektronische Praxiskommunikation und Telematik
    • Prävention bei Jugendlichen und Erwachsenen
    • Prävention im Kindes- und Jugendalter
    • Strahlenschutzkurs lt. § 24 (2) Röntgenverordnung (90 Stunden)

 

Tätigkeitsgruppe IV

  • Du führst Tätigkeiten komplett selbstständige aus
  • Du hast besonders vielseitige Fachkenntnisse die durch Aneignung zusätzlicher umfassender Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten in komplexen Arbeitsbereichen erworben
  • Du hast mindestens 120 Fortbildungsstunden gesammelt und/oder übernimmst Tätigkeiten in der systematischen Planung, Durchführung und Koordination der Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten

Fortbildungsmaßnahmen sind zum Beispiel:

    •  

Tätigkeitsgruppe V

    • Du führst leitungsbezogenen Tätigkeiten aus
    • Du kannst Fortbildungsmaßnahmen von insgesamt mindestens 360 Stunden und entsprechende Berufserfahrung vorweisen
    • Hierbei sind eine Fortbildung von mindestens 120 Stunden und weitere Fortbildungseinheiten von mindestens 40 Stunden innerhalb eines Zeitraums von 5 Jahren zu erbringen. Dieser Zeitraum verlängert sich um die in Anspruch genommene Elternzeit.

Ein Beispiel für eine solche Fortbildungsmaßnahme ist:

  • Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung/Arztfachhelferin gemäß § 54 BBiG

Tätigkeitsgruppe VI

  • Du führst leitungs- und führungsbezogene Tätigkeiten aus
  • Du kannst Fortbildungsmaßnahmen von insgesamt mindestens 600 Stunden und entsprechende Berufserfahrung vorweisen

Ein Beispiel für eine solche Fortbildungsmaßnahme ist:

Benefits und wenn das Gehalt nicht zufriedenstellend ist

Neben einer fairen Bezahlung spielen auch weitere, sogenannte weiche Faktoren oder Benefits eine Rolle in der Auswahl des richtigen Arbeitgebers. Denn Geld alleine macht auch nicht glücklich. Es muss das Gesamtpaket stimmen. Dazu zählen vor allem das Klima im Team, die Arbeitszeiten, der Weg zur Arbeit, interessante Aufgaben, die fordern und fördern (Stickwort Weiterbildungen und Fortbildungen) oder die Möglichkeit Home Office zu machen.

Wenn das angebotene Gehalt auf den ersten Blick nicht besonders reizvoll ist, erkundige dich nach den Benefits. Das können monetäre oder nicht monetäre Sonderleistungen sein. Das (unzufriedenstellende) Gehalt wird dadurch kompensiert und der Job bzw. den Arbeitgeber attraktiver.

Inwiefern sich ein Benefit für dich wirklich lohnt, entscheidet oft die individuelle Lebenslage. Prüfe deshalb die angebotenen Zusatzleistungen eines Arbeitgebers und gehe zur Not auch in die Nachverhandlung und frage, ob man sich über bestimmte Zusatzleistungen einigen kann.

Einige Beispiele für Benefits

  • Übernahme von Fortbildungskosten
  • Jobticket für öffentliche Verkehrsmittel
  • Zuzahlung zu Kita-Gebühren oder hauseigene Kita
  • Übertarifliche Anzahl an Urlaubstagen
  • Monatsgehalt/ Urlaubsgeld
  • Zulage zur privaten Rentenversicherung, Betriebsrente, Lebens-, Unfall-, Berufsunfähigkeitsversicherung etc.
  • Beteiligung am Gewinn/ Prämien
  • Angebot von Home Office
  • Ein individuelles Arbeitszeitmodell
  • Dienstwagen
  • Essensgutscheine für die Mittagspause
  • Beteiligung an Gesundheitsleistungen, z.B. Fitnessstudio, Wellnessangebote

In jedem Fall sind Benefits eine zusätzliche Aufwertung und Zeichen der Wertschätzung deiner Arbeit und kein Ersatz oder eine Kompensation für Unzufriedenheit im Job. Denn noch einmal: Geld ist nicht alles. Es muss aber ein gewisses Level haben mit dem man seinen Lebensunterhalt ohne Schwierigkeiten finanzieren kann. Auf der anderen Seite macht viel Geld auch nicht glücklich, wenn dir die Aufgaben, der Chef oder das Team Bauchschmerzen bereiten und jeden Arbeitstag zur Zumutung werden lassen.

Checkliste – MFA Gehalt einschätzen

  • Berufsjahre berechnen
  • Berufsjahre berechnen
  • Tätigkeiten aufschreiben, die du ausführst oder im neuen Job ausführen sollst
  • Deine Gehaltsstufe in der Tabelle des Gehaltstarifvertrages für medizinische Fachangestellte ablesen
  • Tätigkeitsgruppe ermitteln
  • Benefits und Zusatzleistungen mitbedenken

 

Ich hoffe, dir mit diesem Artikel ein besseres Gespür für die Berechnung des Gehalts bei unterschiedlichen Stufen an Erfahrungen und Tätigkeitsfelder vermitteln zu können. Trau dich für dein Wissen und deine bisherige berufliche Erfahrung einzustehen und ein angemessenes Gehalt zu verlangen.

Quellen

Webseite VMF online

Die Ärztekammer Baden-Württemberg hat zum Thema Gehaltstarifvertrag eine gute FAQ-Liste herausgebracht.

Blogartikel von Teramed

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