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Koalitionspläne zur AU stoßen auf Kritik aus Praxen

Union und SPD wollen die Telefon-AU streichen und die AU-Bescheinigung ab dem ersten Krankheitstag zur Regel machen. Praxen warnen vor zusätzlichem Andrang.

Union und SPD wollen die Regeln für Krankschreibungen verschärfen. Nach Berichten über Beschlüsse des Koalitionsausschusses soll die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden. Außerdem soll die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag zur gesetzlichen Regel werden. Die genaue Ausgestaltung steht noch aus.

Aktuell erlaubt die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses eine Feststellung der Arbeitsunfähigkeit nach telefonischer Anamnese unter engen Voraussetzungen. Sie kommt nur infrage, wenn keine schwere Symptomatik vorliegt, eine Videosprechstunde nicht möglich ist und die erstmalige Feststellung nicht über fünf Kalendertage hinausgeht.

Mehr Andrang am Telefon und in der Praxis

Aus der ambulanten Versorgung kommt deutliche Kritik. Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen warnt, dass eine Kombination aus Ende der Telefon-AU und AU-Pflicht ab Tag eins zusätzliche Kontakte in Praxen auslösen könnte. Auch die DAK verweist darauf, dass mehr Arztkontakte die Belastung in Hausarztpraxen erhöhen würden.

Für Praxisteams wäre vor allem entscheidend, ob mehr kurzfristige Terminanfragen, Rückfragen zur AU und organisatorische Klärungen an Anmeldung und Telefon landen. Gerade bei leichten Infekten könnte eine Präsenzpflicht zudem volle Wartezimmer und zusätzliche Abstimmung im Tagesablauf bedeuten.

Nutzen bleibt umstritten

Kassen und Ärzteverbände verweisen darauf, dass Telefon- oder Video-Krankschreibungen nach Analysen von Zi und Barmer nur einen kleinen Anteil aller AU-Bescheinigungen ausmachen. In der Debatte wird deshalb bezweifelt, ob die geplanten Regeln den Krankenstand tatsächlich senken oder vor allem neue Belastung in den Praxen erzeugen.

Solange kein konkreter Gesetzentwurf vorliegt, bleibt das Thema ein politisches Vorhaben. Für Praxen ist es trotzdem relevant, weil bereits die Debatte zeigt, wo neue organisatorische Anforderungen entstehen könnten.

Quellen