Praktische MFA-Prüfung

Dein Guide für den großen Tag

Die schriftliche Prüfung hast Du hinter Dir – jetzt steht die praktische Prüfung an. Für viele der aufregendste Teil der MFA-Ausbildung. Hier kommt alles, was Du brauchst: Ablauf, Themen, fünf Beispielaufgaben mit Lösungen und Tipps für den Tag.

Was Dich erwartet

Eine Aufgabe aus dem echten Praxisalltag

In der praktischen Prüfung zeigst Du, was Du in drei Jahren gelernt hast – verpackt in eine zusammengesetzte Praxisaufgabe. Die gute Nachricht: Du kennst eigentlich alles schon aus Deinem Alltag.

Dauer

Max. 75 Min · davon bis zu 15 Min Fachgespräch

Zeitpunkt

Meist 4–6 Wochen nach der schriftlichen Prüfung

Prüfungsort

Je nach Ärztekammer: Berufsschule, Prüfpraxis oder Prüfungsraum

Checkliste für den Prüfungstag

Pack das am Vorabend in Deine Tasche

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Einladung zur Prüfung von der Ärztekammer
  • Nachweis Erste-Hilfe-Kenntnisse
  • Mehrere Stifte (falls einer ausfällt)
  • Uhr (keine Smartwatch!) oder Stoppuhr
  • Getränk + Snack (Banane, Nüsse, Riegel)
  • Taschenrechner (z. B. für BMI)

Bonus: Wer ist im Prüfungsausschuss? 1–2 Ärztinnen, 1–2 erfahrene MFAs und 1–2 fachlich qualifizierte Berufsschullehrer:innen. Sie wollen, dass Du bestehst.

Was dran kommen kann

8 Themenfelder, aus denen Deine Aufgabe kommt

Die Aufgabe wird aus mehreren Bausteinen zusammengesetzt – ähnlich wie ein echter Patientenfall. Diese Felder solltest Du wirklich sicher beherrschen.

Diagnose & Untersuchungen
  • Blutdruck-, Puls-, Temperaturmessung
  • i.v. Blutentnahme inkl. Vorbereitung
  • EKG schreiben & Störungen erkennen
  • Peakflow & Spirometrie
Injektionen & Medikamente
  • Infusion vorbereiten (ggf. mit Zusatz)
  • s.c. Injektion (Insulin, Heparin)
  • i.m. Injektion & Impfungen
  • i.v. Injektion vorbereiten
Kleine Chirurgie & Verbände
  • Sterile Handschuhe korrekt anziehen
  • Wundversorgung vorbereiten
  • Fäden ziehen
  • Kompressions- & andere Verbände
Notfälle & Erste Hilfe
  • Verhalten bis zum Rettungsdienst
  • Stabile Seitenlage
  • Thoraxkompression & Beatmung (30:2)
  • AED einsetzen, Druckverband anlegen
Hygiene
  • Händedesinfektion (30 Sek. einwirken)
  • Flächendesinfektion
  • Instrumente sterilisieren vorbereiten
Prävention
  • Gesundheits­untersuchungen vorbereiten
  • Impfstatus überprüfen
  • Krebsfrüherkennung
Laboruntersuchungen
  • Urinuntersuchung mit Teststreifen
  • Sedimentherstellung
  • Blutzuckermessung
  • CRP-Schnelltest
Verwaltung & Sonstiges
  • Abrechnung nach GOÄ / EBM
  • Dokumentation in der Akte
  • Aufklärung & Beratung von Patientinnen

Dein Prüfungstag

So läuft die Prüfung ab

Inhalte und Ablauf können je Ärztekammer leicht abweichen – das hier ist das übliche Grundmuster.

Schritt 1

Ankommen & beruhigen

Pünktlich vor Ort, kurz im Warteraum ankommen, ein paar mal tief durchatmen. Nervosität raus, Fokus rein – Du kennst die Inhalte aus dem Praxisalltag.

Schritt 2

Aufgabe ziehen (5–10 Min)

Du ziehst aus drei Umschlägen Deine Prüfungsaufgabe mit Patientenfall und konkretem Auftrag. Jetzt ist Deine letzte Chance, Verständnisfragen zu klären.

Schritt 3

Planungsphase (ca. 20 Min)

Reihenfolge der Schritte festlegen, Krankheitsbild durchdenken, Abrechnung und Formulare planen, Notfall vs. Routine unterscheiden – Notizen darfst Du mit reinnehmen.

Schritt 4

Durchführung (30–40 Min)

Du arbeitest an Puppe, Prüfer:in oder Simulationspatient:in. Erkläre laut, was Du tust und warum – das überzeugt die Prüferinnen und nimmt Dir Druck.

Schritt 5

Fachgespräch (max. 15 Min)

Die Prüferinnen fragen ab, warum Du was getan hast: Kanülenstärke, Abrechnung, Hygiene, Komplikationen. Deine Chance, Hintergrundwissen zu zeigen.

Schritt 6

Beratung & Ergebnis

Du wartest kurz draußen, die Prüferinnen beraten – und Du erfährst direkt Deine Note und das Gesamtergebnis aus schriftlich und praktisch.

Pro-Tipp aus dem Prüfungsraum

Erkläre während der Durchführung laut, was Du gerade tust und warum. Das zeigt den Prüferinnen Kompetenz und gibt Dir selbst Struktur und Sicherheit – die Nervosität sinkt mit jedem ausgesprochenen Schritt.

Konkret werden

5 typische Beispielaufgaben mit Lösung

Klassiker aus den letzten Jahren: Aufgabenstellung, die wichtigsten Handgriffe und passende Fachgespräch-Fragen mit Antworten.

Beispiel 1: i.v. Blutentnahme

Ein Patient kommt zur Blutabnahme fürs Routinelabor. Führe die i.v. Blutentnahme durch und bereite das Material für den Versand vor.

So gehst Du vor

  • Hygienische Händedesinfektion (30 Sek.) + keimarme Handschuhe
  • Stauschlauch anlegen, Radialispuls muss tastbar bleiben
  • Einstichstelle desinfizieren, Einwirkzeit abwarten (trocken!)
  • Mit Anschliff nach oben einstechen, bei Blutfluss Stau lösen
  • Röhrchen in richtiger Reihenfolge füllen (Nativ zuerst)
  • Kanüle sofort in Abwurfbox – kein Re-Capping!
  • Röhrchen versandfertig, Laborüberweisung ausfüllen

Im Fachgespräch

  • Warum löst man die Stauung sofort? → Hämolyse vermeiden.
  • Reihenfolge der Röhrchen? → Nativ immer zuerst.
  • Nadelstichunfall? → Blutung fördern, desinfizieren, Arzt informieren, dokumentieren.
Beispiel 2: i.m. Impfung

Eine Patientin (45 J.) erhält eine Tetanus-Auffrischimpfung. Bereite die Impfung vor und führe sie durch.

So gehst Du vor

  • Impfstatus im Impfpass prüfen, Antikoagulanzien erfragen
  • Impfstoff aus Kühlschrank, Verfallsdatum & Kanülengröße prüfen
  • Schwenken (nicht schütteln!), Luftblasen entfernen
  • M. deltoideus (unteres Dreieck) desinfizieren, trocknen lassen
  • Senkrecht einstechen, langsam injizieren, rasch entfernen
  • Eintragung im Impfpass (Datum, Stempel, Unterschrift Arzt)
  • Chargennummer einkleben, Doku in Patientenakte

Im Fachgespräch

  • Wo genau impfen? → M. deltoideus, unteres Dreieck.
  • Warum nach Antikoagulanzien fragen? → Erhöhtes Blutungsrisiko.
  • Was dokumentieren? → Datum, Chargennummer, Impfstoff, Unterschrift Arzt.
Beispiel 3: Ruhe-EKG & Störungen

Schreibe an einem Patienten ein Ruhe-EKG. Das EKG zeigt eine Störung – erkenne sie und erkläre die Lösung.

So gehst Du vor

  • Oberkörper frei, Schmuck ab, Patientendaten ins Gerät
  • Extremitäten anlegen (rot RA, gelb LA, grün LB, schwarz RB)
  • Brustwand V1–V6 platzieren, Patient ruhig liegen lassen
  • EKG starten und Kurve prüfen
  • Wandern der Nulllinie? → Elektrodensitz / Bewegung
  • Muskelzittern? → Patientin beruhigen, evtl. zudecken
  • Sägezahn (50-Hz-Brumm)? → Elektrogeräte / Handy entfernen

Im Fachgespräch

  • Wo liegt V4? → 5. ICR in der Medioklavikularlinie.
  • Bedeutung Gelb? → Linker Arm.
  • Wann ist ein EKG unbrauchbar? → Bei massiven Artefakten ohne erkennbare Kurve.
Beispiel 4: Wundversorgung vorbereiten

Klaffende Schnittwunde am Unterarm, nicht verunreinigt. Bereite die Wundversorgung für die Ärztin vor.

So gehst Du vor

  • Tetanusimpfung überprüfen
  • Arbeitsfläche desinfizieren, steriles Abdecktuch (nur Ecken anfassen)
  • Sterile Instrumente auspacken: Schere, Pinzette, Nadelhalter, Naht
  • Wunddesinfektionsmittel + Lokalanästhetikum aufziehen
  • Sterile Handschuhe für die Ärztin bereitstellen
  • Pulsoxymeter anlegen, Patientin betreuen
  • Nach Versorgung: Doku + ggf. Schmerzmittel-Rezept

Im Fachgespräch

  • Warum Tetanusimpfung prüfen? → Wundstarrkrampf-Prophylaxe.
  • Steriles Aufdecken? → Nur Ecken anfassen, von innen nach außen.
  • Wann Handschuhe wechseln? → Nach Kontamination oder Patientenkontakt.
Beispiel 5: Notfall – Bewusstlosigkeit

Patient bricht im Wartezimmer zusammen, Atmung nicht normal. Demonstriere das Notfallmanagement an einer Puppe.

So gehst Du vor

  • Eigenschutz: Handschuhe – Bewusstseinskontrolle (Ansprechen, Rütteln)
  • Laut Hilfe rufen, Arzt holen lassen
  • Auf Rücken drehen, Atemwege freimachen (Kopf überstrecken, Kinn hoch)
  • Atemkontrolle max. 10 Sek. – keine normale Atmung → Notruf 112
  • 30 × Herzdruckmassage: 5–6 cm tief, 100–120/Min, vollständig entlasten
  • 2 × Beatmung: Nase zu, 1 Sek. einblasen, Thorax beobachten
  • Rhythmus 30:2 fortsetzen bis Rettungsdienst / AED da ist

Im Fachgespräch

  • Wann mit Reanimation beginnen? → Bewusstlos + keine normale Atmung.
  • Drucktiefe? → 5–6 cm, Frequenz 100–120/Min.
  • Wichtigstes Prinzip? → Schnell starten und nicht unterbrechen.

Was zählt

Wie die Prüferinnen bewerten

Die Prüferinnen achten nicht nur darauf, ob Du den Handgriff richtig machst. So setzt sich Deine Note typischerweise zusammen:

  • Fachliche Korrektheit50 %
  • Hygiene20 %
  • Arbeitsorganisation15 %
  • Kommunikation10 %
  • Dokumentation5 %
Wann hast Du bestanden?

Du brauchst mindestens eine ausreichende Leistung (Note 4,4). Schriftliche und praktische Prüfung werden je 50 % gewichtet – beide musst Du bestehen.

Klappt es nicht: Du darfst zweimal wiederholen, beim zweiten Anlauf gelingt es vielen.

Hygiene konsequent
  • Händedesinfektion 30 Sek. einwirken
  • Flächendesinfektion nicht vergessen
  • Sterile vs. keimarme Handschuhe sauber trennen
Strukturiert arbeiten
  • Material komplett vorbereiten, bevor Du startest
  • Systematische Reihenfolge halten
  • Plan laut mitsprechen
Patientin kommunizieren
  • Vorstellen und Maßnahme erklären
  • Auch an der Puppe freundlich und einfühlsam
  • Über Risiken aufklären (z. B. Bluterguss)
Dokumentation
  • Datum, Uhrzeit, Maßnahme
  • Chargennummer bei Medikamenten
  • Formulare nicht vergessen (z. B. Rezept, Einweisung)
Abrechnung mitdenken
  • GOÄ oder EBM – je nach Kostenträger
  • Wochentag und Uhrzeit beachten
  • Besonderheiten korrekt zuordnen
Material richtig wählen
  • Verfallsdaten kontrollieren
  • Passende Kanülengröße auswählen
  • Steriles vs. keimarmes Material trennen

Dein Fahrplan

So bereitest Du Dich optimal vor

Von vier Wochen vorher bis zum Prüfungsmorgen – hier ist, was in welcher Phase wirklich hilft.

4 Wochen vorher

Bausteine sortieren
  • Alle Bausteine durchgehen und wiederholen
  • In der Praxis um Übungsmöglichkeiten bitten
  • Mit Kolleginnen Prüfungssituationen durchspielen

2 Wochen vorher

Schwächen schließen
  • Schwierige Bausteine intensiv üben
  • Abläufe visualisieren – im Kopf durchspielen
  • Fachgespräch trainieren: „Warum machst Du das so?“

1 Woche vorher

Routine festigen
  • Alle wichtigen Handgriffe nochmal durchgehen
  • Hygiene und steriles Arbeiten polieren
  • Reihenfolgen automatisieren

Am Vorabend

Runterkommen
  • Tasche packen (Ausweis, Stifte, Getränk, Snacks)
  • Nicht mehr bis spät in die Nacht lernen
  • Etwas Entspannendes machen, früh ins Bett

Am Prüfungstag

Energie tanken
  • Ordentlich frühstücken – Dein Gehirn braucht Energie
  • Pünktlich losgehen, Puffer für Stau einplanen
  • Vertrauen in Dich haben – Du hast das drauf

Vertiefen

Komplette Prüfungsvorbereitung

Lernphasen, Strategie und Last-Minute-Tipps für die gesamte Abschlussprüfung – schriftlich und praktisch.

Zur Übersicht

Extra-Motivation gefällig? Erfahrungsberichte anderer Auszubildender im Magazin zeigen Dir: andere haben das auch geschafft.

Am großen Tag

Tipps für vor, während & Fachgespräch

Drei Phasen, drei Stellschrauben. Das hier sind die Dinge, die wirklich helfen – nicht nur Lehrbuch-Floskeln.

Vor der Prüfung

Setup & Auftreten

  • 15 Min zu früh statt 1 Min zu spät
  • Praxiskleidung oder ordentliches Outfit
  • Haare zusammen, Schmuck ab, Fingernägel kurz – ohne Lack
  • Nochmal zur Toilette, ausreichend trinken (aber nicht zu viel)
Während der Prüfung

Ruhe & Struktur

  • Aufgabe gründlich lesen, dann erst loslegen
  • Reihenfolge planen, laut mitsprechen
  • Hygiene zwischen jedem Schritt mitdenken
  • Bei Fehler: ruhig korrigieren statt aus dem Konzept
Im Fachgespräch

Souverän statt perfekt

  • Ruhig bleiben, auch bei kniffliger Frage
  • „Könnten Sie die Frage anders formulieren?“ ist erlaubt
  • Mit „In der Praxis würde ich…“ Entscheidungen begründen
  • Genau zuhören, was wirklich gefragt ist

Schon ans Danach denken?

Finde Deinen nächsten Schritt

Nach bestandener Prüfung beginnt das nächste Kapitel: Such direkt nach Stellen in Deiner Nähe – oder lass Praxen Dich finden und schreib ein anonymes Stellengesuch.

Alle Stellen ansehen

Du packst das

Drei Jahre Praxisalltag stecken in Dir – Du machst in der Prüfung nichts anderes als das, was Du jeden Tag tust. Mit gutem Plan und ruhigem Kopf schaffst Du das locker.

Mehr zur MFA-Ausbildung