
Warum die Zukunft der ambulanten Versorgung Team heißt – und ich PCM wurde
Wenn Du im Berchtesgadener Land lebst, zwischen Watzmann, Jenner und Königssee, dann lernst Du früh, dass Wege manchmal steil sind – aber der Blick von oben jede Anstrengung wert ist. Genau so fühlt sich mein beruflicher Weg an. Ich bin Susann, gelernte MFA, bergbegeistert, Mama und inzwischen Primary Care Managerin. Als geborene Sächsin hat meine berufliche Entwicklung in einem bayerischen hochtouristischen Ort begonnen, wo die Praxis im Sommer wie im Winter brummt und Du als MFA alles brauchst: medizinisches Wissen, Organisationstalent und manchmal auch die Geduld eines Bergmönchs.
Bevor ich überhaupt an ein Studium dachte, habe ich mich Schritt für Schritt weiterentwickelt. VERAH, NäPa, BEAH – jede Fortbildung hat mich wachsen lassen, jede hat mir neue Aufgaben eröffnet. Ich habe dadurch auch immer mehr Verantwortung übernommen, durfte Prozesse mitgestalten und habe gemerkt, dass ich mich über das klassische MFA-Profil hinausarbeiten möchte. Ich brauchte eine Rolle, die zu dem passte, was ich tue. Eine Rolle, die anerkennt, was MFA können. Eine Rolle, die Zukunft hat.
Als ich zum ersten Mal vom Studiengang Primary Care Management hörte, war er noch neu, unbekannt. Aber ich wusste sofort: Das ist mein Weg. Nicht, weil ich „höher hinaus“ wollte, sondern weil ich wirksam sein wollte. Weil ich gesehen habe, wie viel im ambulanten System an uns MFA hängt – und wie wenig davon offiziell sichtbar ist. Ich wollte Verantwortung übernehmen, Strukturen verbessern und zeigen, dass MFA nicht nur mitlaufen, sondern mitgestalten.
Das Studium habe ich mitten im Familienleben, mitten im Job und mitten in der Bergleidenschaft begonnen. Ich sage es ehrlich: Es war intensiv. Ich habe gearbeitet, gelernt, Muttersein gemeistert und trotzdem versucht, mir selbst treu zu bleiben. Es gab Abende, an denen ich völlig erschöpft über meinen Unterlagen eingeschlafen bin. Es gab Wochen, in denen ich dachte: „Warum tue ich mir das an?“ Und dann gab es diese Momente, in denen ich gemerkt habe, wie ich wachse. Wie ich klarer werde. Struktur, Kommunikation, Prioritäten und die Fähigkeit, auch mal fünfe gerade sein zu lassen – das war mein Schlüssel. Perfekt musst Du nicht sein. Dranbleiben und fokussiert bleiben reicht.
Der Abschluss, die Bachelorarbeit, war anspruchsvoll. Die schriftlichen Klausuren, Projektarbeiten und mündliche Präsentationen während des Studiums waren machbar, wenn man sich vorbereitet und versteht, worum es im Kern geht: Versorgung denken, Prozesse verstehen, Lösungen entwickeln, medizinisches Wissen. Das Kolloquium hat am Schluss noch mal alles zusammengefasst und viel abverlangt.
Heute arbeite ich als Primary Care Managerin – und das bedeutet: Ich arbeite nicht mehr nur „in“ der Praxis, sondern „an“ der Praxis. Ich gestalte Strukturen, optimiere Abläufe, begleite Digitalisierung und koordiniere Versorgung. Ich bin Bindeglied zwischen den Ärzten, MFA, Verwaltung, externen Partnern und unseren Patienten. Ich bin Ansprechpartnerin, Problemlöserin, Strukturgeberin. Und gleichzeitig bin ich immer noch nah am Patienten. PCM ist nicht nur Büro – PCM ist Versorgung – nur auf einem anderen Level.
Als Teil einer HÄPPI-Pilotpraxis durfte ich erleben, wie moderne Primärversorgung wirklich aussehen kann: klare Rollen, klare Verantwortlichkeiten, echte Teamarbeit, Entlastung der Ärzte und eine starke Aufwertung der MFA. Wenn wir über ein zukünftiges Primärarztsystem sprechen, dann sprechen wir über interprofessionelle Teams, in denen jede Rolle klar definiert ist – und in denen MFA und PCM endlich den Stellenwert bekommen, den sie verdienen. Genau dafür setze ich mich ein. Nicht nur in der Praxis, sondern auch bundesweit. Als Gründungsmitglied und Schriftführerin des Bundesvereins für Primary Care Management kämpfe ich dafür, dass MFA und PCM sichtbar werden. Als Autorin für medizinische Fachzeitschriften schreibe ich darüber. Und als PCM lebe ich es jeden Tag.
Finanziell hat sich der Weg ebenfalls gelohnt. Ich verdiene heute mehr als in meiner MFA-Zeit – und vor allem verdiene ich entsprechend meiner Verantwortung. Die Jobchancen sind dadurch gestiegen. PCM ist neu, aber der Bedarf ist riesig. Praxen, MVZ, Gesundheitszentren – viele suchen Menschen, die Versorgung koordinieren, Prozesse steuern und Teams führen können. Ich bekomme regelmäßig Anfragen. Und ich bin nicht die Einzige.
Würde ich es wieder tun? Ohne zu zögern: Ja. Das Studium hat meinen beruflichen Weg verändert. Es hat mir Türen geöffnet. Es hat mir eine Stimme gegeben – und ich nutze sie. Für mich. Für mein Team. Für alle MFA, die jeden Tag zeigen, wie viel Kompetenz in ihnen steckt.
Wenn Du MFA bist und spürst, dass da mehr in Dir steckt, dann hör auf dieses Gefühl. Wir brauchen Dich. Die ambulante Versorgung braucht Dich. Das zukünftige Primärarztsystem braucht Menschen wie Dich. MFA sind das Rückgrat der Versorgung. PCM ist der nächste logische Schritt. Und Du kannst ihn gehen.
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