
Weiterbildung
Näpa und EVA
Auf einen Blick
- Voraussetzungen
- Abgeschlossene Ausbildung zur MFA oder Berufsausbildung nach dem Pflegeberufegesetz / Krankenpflegegesetz
- Mindestens 3 Jahre Berufstätigkeit in einer hausärztlichen Praxis
- Dauer
bis zu 271 Stunden (ca. 7 Monate, berufsbegleitend)
- Kosten
1.500 – 1.800 € (je nach Anbieter)
- Fachbereich
- Allgemeinmedizin
- Arbeitsorte
- Arztpraxis, Pflege, Sonstige
- Berufliche Chancen
Tätigkeitsgruppe IV des MFA-Tarifvertrags. Eigene EBM-Ziffern (03060 – 03065) für extrabudgetäre Vergütung der Hausbesuche.
Als ich noch in einer allgemeinmedizinischen Praxis gearbeitet habe, wurde ich öfter zu Hausbesuchen geschickt. Wir hatten unsere Stamm-Hausbesuchs-Patient:innen, für die der Weg in die Praxis nicht mehr machbar war. In der Regel habe ich nur Blutabnahmen für den Quick-Wert oder die Zuckerwerte für DMP-Diabetes-Patient:innen gemacht. Klar, gehörte auch ein bisschen Small-Talk dazu. Ich war immer gerne unterwegs. Mit meinem kleinen Köfferchen, das ich mir zuvor mit allen notwendigen Materialien gepackt hatte. Ganz alleine mit den Patient:innen. Und auch ein bisschen froh, mal für ein paar Stunden den Praxistrubel hinter mir zu lassen.
Wenn du dich weiterbilden willst, um eine abwechslungsreiche und selbständige Arbeit anzustreben bei der du vor mehr Verantwortung nicht zurück schreckst, ist die Fortbildung zur nichtärztlichen Praxisassistentin (Näpa) vielleicht das Richtige für dich. In Nordrhein und Westfalen Lippe ist die Näpa auch unter dem Namen „Entlastende Versorgungsassistentin“, kurz EVA, bekannt. Die Fortbildungsinhalte sind aber dieselben.
Außerdem gibt es da noch die VERAH oder ausgesprochen: Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis. Diese Fortbildung ist vom Deutschen Hausärzteverbund initiiert worden und richtet sich speziell an MFA, die in einer Hausarztpraxis tätig sind. Hingegen ist die Näpa und die EVA ein Curriculum der Bundesärztekammer. Mit dieser Qualifikation können MFA sowohl für hausärztliche als auch für fachärztliche Praxen Hausbesuche fahren.
Weiter unterscheiden sich die Fortbildung Näpa/EVA und VERAH dadurch, dass die Kursinhalte zur VERAH nicht so umfangreich gestaltet sind. Falls du die Fortbildung zur VERAH bereits absolviert hast, kannst du durch zusätzliche Kurseinheiten den Abschluss zur Näpa oder EVA erwerben. Andersherum kannst du eine erworbene Qualifikation als Näpa anrechnen lassen, wenn du zusätzlich die VERAH Fortbildung anstrebst.
Die Aufgaben einer Näpa / EVA
Als NäPA/EVA übernimmst du einen viel größeren Aufgabenbereich und mehr Verantwortung als ich damals, als ich im Auftrag für Blutabnahmen unterwegs war. Nach ärztlicher Absprache fährst du eigenständig Hausbesuche. Du hast deine Stammpatient:innen, die du zu Hause oder in ihren Pflegeheimen besuchst. Neben Blutabnahmen kontrollierst du den Blutzucker und den Blutdruck. Was die Wundversorgung zu Hause angeht, hast du die Fachkenntnis. Verbände wechseln, Wunden dokumentieren und Fortschritte festhalten. Bei deiner Arbeit bist du aufgrund deines breiten medizinischen Wissens relativ frei und kannst eigenständig handeln. Du beurteilst den allgemeinen Gesundheitszustand und schätzt die Lebenssituation deiner Patient:innen ein. Wenn es notwendig ist, leitest du Maßnahmen ein. Um eine bestmögliche Versorgung für deine Patient:innen zu gewährleisten, koordinierst du die Zusammenarbeit mit dem Pflegedienst, Pflegekräften oder den Angehörigen.
Für das ärztliche Team bist du eine enorme Hilfe. Du übernimmst Aufgaben, die sonst ärztlich begleitet werden müssten. So bleibt mehr Zeit für die Patient:innen in der Praxis. In enger Absprache mit dem ärztlichen Team informierst du über den Zustand eurer Patient:innen. Diese Rücksprachen sind wichtig, um gemeinsam die Versorgung für eure Patient:innen zu verbessern.
Noch mehr Infos über den Arbeitsalltag einer Näpa findest du in dem Erfahrungsbericht von Nadine.
Arbeitsorte
Du arbeitest ganz normal in einer Praxis weiter. Deine Tätigkeit findet bei den Hausbesuchen in Alten- oder Pflegeheimen, bei Patient:innen zu Hause oder in anderen betreuenden Einrichtungen statt.
Berufliche Chancen
Für deine Leistungen als Näpa/ EVA gibt es im EBM eigene Ziffern (03060 – 03065). Deine Hausbesuchsfahrten werden für die Praxis extrabudgetär vergütet. Als Näpa/ EVA sparst du dem ärztlichen Team in deiner Praxis nicht nur enorm viel Zeit, sondern trägst so auch zum wirtschaftlichen Erfolg bei.
Gerade in ländlichen Gebieten, wo der Ärztemangel teils stark spürbar ist, werden NäPAs und EVAs gebraucht. Durch deine erweiterten und umfangreichen Kompetenzen als NäPA/EVA hast du eine gute Basis bei deiner Gehaltsverhandlung. Laut Gehaltstarifvertrag für MFA rutschst du durch die Fortbildung zur NäPA/EVA in Tätigkeitsgruppe IV.
Fortbildungsablauf
Die Fortbildung ist berufsbegleitend. Du gehst normal weiter zur Arbeit und absolvierst die Fortbildungsmodule nebenbei. Je nach Fortbildungsanbieter finden die Fortbildungen am Wochenende oder manchmal auch tagsüber unter der Woche statt. Manche Anbieter gestalten die Kurse auch einmal monatlich für 4 Tage. Wenn dich deine Praxisleitung auf die Fortbildung schickt, sollte es kein Problem darstellen, dich in dieser Zeit von der Arbeit zu befreien.
Die Fortbildung dauert maximal 271 Stunden, was ungefähr 7 Monate sind. Du musst alle Module in einem maximalen Zeitraum von 5 Jahren absolvieren. Kannst du bestimmte Fortbildungsinhalte durch eine andere Weiterbildung belegen, musst du dieses Modul nicht wiederholen. Die Fortbildungsdauer reduziert sich entsprechend (siehe unter Fortbildungsdauer weiter unten).
Der Lehrgang gestaltet sich durch fachtheoretischen und fachpraktischen Unterricht sowie eine praktische Fortbildung in Form von Hausbesuchen.
Fortbildungsinhalte
Während der Fortbildung erwirbst du umfangreiche medizinische Kenntnisse, um im Alleingang bei den Hausbesuchen sicher den Gesundheitszustand der Patient:innen einschätzen zu können. Auch ein 20-stündiger Notfallkurs gehört zur Näpa/ EVA-Fortbildung dazu. Im Ernstfall kannst du professionell handeln und weißt, was zu tun ist. Daneben ist das Case Management ein großer Teil der Fortbildung. Du lernst die Lebenssituation der Patient:innen einzuschätzen und bedarfsorientierte Maßnahmen zur Unterstützung und Versorgung einzuleiten.
Das sind die Fortbildungsmodule im Einzelnen:
| Fachtheoretischer und fachpraktischer Unterricht | insgesamt 271 Stunden |
|---|---|
| Grundlagen und Rahmenbedingungen beruflichen Handelns / Berufsbild | 15 Stunden |
| Häufige Krankheitsbilder in der hausärztlichen Praxis | 20 Stunden |
| Geriatrische Syndrome und Krankheitsfolgen im Alter /Diagnoseverfahren | 20 Stunden |
| Versorgung und Betreuung von Onkologie- und Palliativpatienten | 9 Stunden |
| Palliativmedizinische Zusammenarbeit und Koordination | 8 Stunden |
| Psychosomatische und psychosoziale Versorgung | 15 Stunden |
| Grundlagen der Ernährung | 16 Stunden |
| Arzneimittelversorgung | 8 Stunden |
| Wundpflege und Wundversorgung | 10 Stunden |
| Grundlagen der Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen | 20 Stunden |
| Koordination und Organisation von Therapie- und Sozialmaßnahmen: Strukturierte Schulungen | 24 Stunden |
| Telemedizinische Grundlagen | 10 Stunden |
| Kommunikation und Gesprächsführung | 8 Stunden |
| Wahrnehmung und Motivation | 8 Stunden |
| Medizinische Dokumentation / Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien | 10 Stunden |
| Notfallmanagement / Erweiterte Notfallkompetenz | 20 Stunden |
| Praktische Fortbildung (Hausbesuche) | 50 Stunden |
Die praktische Fortbildung von 50 Stunden findet in Form von Hausbesuchen statt. Diese können sowohl bei Patient:innen zu Hause als auch in Alten- und Pflegeheimen oder anderen beschützenden Einrichtungen erfolgen. Jeder Hausbesuch ist mit je 30 Minuten anzurechnen. Alle Besuche müssen dokumentiert werden. Davon 4 mit einer ausführlichen Falldokumentation und Kurzbeschreibung sowie einer ärztlichen Bescheinigung.
Für die 4 ausführlichen Fallbeschreibungen werden insgesamt 6 Stunden auf die praktische Fortbildung angerechnet. Wer bereits das Curriculum „Ambulante Versorgung älterer Menschen“ absolviert hat, kann weitere 8 Stunden auf die praktische Fortbildung anrechnen lassen.
Dauer
Der Kurs ist mit bis zu 271 Fortbildungsstunden, die innerhalb von fünf Jahren zu absolvieren sind, sehr umfangreich. Über ca. 7 Monate verteilen sich die einzelnen Module.
Bei der Fortbildung kommen dir deine Berufsjahre zu Gute und werden angerechnet. Arbeitest du mehr als 10 Jahre als MFA, reduziert sich der theoretische Unterricht auf 150 Stunden und die praktische Fortbildung auf 20 Stunden.
Als MFA mit weniger als 10 Jahren Berufserfahrung müssen 170 Stunden theoretischer Unterricht und 30 Stunden praktische Fortbildung absolviert werden. Bei weniger als 5 Jahren Berufserfahrung fallen die vollen 200 Stunden theoretischer Unterricht und 50 Stunden praktische Fortbildung für dich an.
Hier nochmal eine tabellarische Auflistungen zur besseren Übersicht:
| Dauer der Berufstätigkeit | Theoretische Fortbildung | Praktische Fortbildung | Notfallmanagement |
|---|---|---|---|
| weniger als 5 Jahre | 200 Stunden | 50 Stunden | 20 Stunden |
| weniger als 10 Jahre | 170 Stunden | 30 Stunden | 20 Stunden |
| mehr als 10 Jahre | 150 Stunden | 20 Stunden | 20 Stunden |
Sofern die angehende Nicht-ärztliche Praxisassistentin über einen qualifizierten Berufsabschluss nach dem Krankenpflegegesetz verfügt und in den letzten zehn Jahren vor Antragstellung mindesten vier Jahre in diesem Beruf tätig war, reduziert sich die theoretische Fortbildung auf 80 Stunden.
Kosten
Insgesamt und je nach Anbieter kostet die Fortbildung ca. 1.500 bis 1.800 Euro.
Die Module werden einzeln berechnet. Falls du z. B. einen Kurs zur Wundversorgung belegt hast, der noch nicht allzu lange zurück liegt, kann dieser unter Umständen angerechnet werden. Somit sparst du dir Zeit und Geld.
Viele machen die Weiterbildung zur NäPA/EVA auf Wunsch der Praxis. Entsprechend übernimmt die Praxis häufig die vollen Kosten. Falls du auf eigene Faust die Weiterbildung machst und deine Praxis sich nicht an den Kosten beteiligt, hast du diverse andere Möglichkeiten, die Weiterbildung zu finanzieren.
Prüfung und Abschluss
Du wirst zur Prüfung zugelassen, wenn du
- mindestens 90 % des Unterrichts besucht hast
und
- die Nachweise über die erforderlichen Hausbesuche einschließlich der Falldokumentationen/Kurzbeschreibungen vorlegt hast.
Die Teilnahme an den Modulen ist durch die Vorlage entsprechender Bescheinigungen nachzuweisen.
Die schriftliche Lernerfolgskontrolle erfolgt in Teilprüfungen oder als Gesamtprüfung von mindestens einer Stunde Dauer. Die Prüfungszeit kann kürzer sein, wenn die schriftliche Lernerfolgskontrolle in programmierter Form stattfindet.
Die 4 Dokumentationen und Kurzbeschreibungen gelten ebenfalls als Lernerfolgskontrolle.
Bei anzurechnenden Fortbildungsmaßnahmen nach den Curricula der Bundesärztekammer gelten die entsprechenden Teile der Fortbildung als geprüft.
Nach erfolgreicher Teilnahme am Qualifizierungslehrgang erhältst du ein Zertifikat der zuständigen Ärztekammer.
MFA mal anders – Meinung
Wenn du gerne diese Fortbildung absolvieren möchtest und noch etwas Überzeugungsarbeit in deiner Praxis leisten musst, probiere es doch, indem du die wirtschaftlichen Vorteile der NäPA/EVA aufzeigst. Wie man die NäPA/EVA-Leistungen abrechnen kann, erfährst du in einem interessanten Artikel der Medical Tribune.
Hier findest du außerdem Bespiele für delegationsfähige Leistungen. Also die Leistungen, die eigentlich nur Ärztinnen und Ärzte durchführen, die aber im Einzelfall nach Anordnung auch an dich als Näpa/EVA abgegeben werden können.
Erfahrungsbericht einer Näpa
Falls du dir immer noch nicht ganz vorstellen kannst, welche Aufgaben als Näpa bei den Hausbesuchen auf dich warten und wie der Ablauf der Weiterbildung gestaltet ist, lies dir den Erfahrungsbericht von Nadine durch. Sie ist MFA aus Leidenschaft und Gast-Autorin von MFA mal anders. In ihrem Artikel beschreibt sie ausführlich den Alltag einer Näpa und wie sie die Fortbildung geschafft hat.
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