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MFA sitzt vor dem Laptop. Sie ist Digitalisierungsmanagerin für die Arztpraxis.

Weiterbildung –
Digitalisierungs-ManagerIn für die Arztpraxis

Jede:r MFA kennt´s: An der Anmeldung bildet sich bereits eine Schlange an Patienten und der Computer streikt mal wieder. Kein Wunder bei der komplexen IT-Infrastruktur einer Arztpraxis. Online-Terminvergabe, Videosprechstunde, eRezept, eAU oder elektronische Patientenakte, das Arbeiten mit telemedizinischen Angeboten gehört mittlerweile fest zum Praxisalltag. 

Für MFA gibt es deshalb neuerdings Fortbildungen, um das technische Verständnis rund um die Praxis-EDV und die digitale Welt näher zu bringen. Die Fortbildung zur DigitalisierungsmanagerIn oder auch Digi-ManagerIn soll dich als MFA befähigen, Digitalisierungsprojekte in der Praxis voranzubringen, mitzugestalten und der Experte oder die Expertin in allen Digitalisierungsfragen für die Praxis zu sein. 

Sicher eine Position, die in Zukunft immer wichtiger für die Arztpraxis werden wird und weit über das Wissen und die Funktion eines reinen Datenschutzbeauftragten hinausgeht. Die Zusatzqualifikation ermöglicht zudem eine Gehaltsanpassung für die Übernahme dieser verantwortungsvollen Aufgabe. 

Auf einen Blick

Voraussetzungeneine Berufsausbildung und erfolgreiche Prüfung zur/zum Medizinischen Fachangestellten oder zur/zum Arzthelfer/in 
oder 
die Berufsausbildung und die erfolgreiche Prüfung nach dem Krankenpflegegesetz oder Altenpflegegesetz (3-jährige Ausbildung)
Dauerunterschiedlich je nach Anbieter: ca. 6-12 Monate oder kürzer (8-12 Wochen)
Kostenab 699 € – 1.200 €
ArbeitsorteArztpraxen, MVZ
Berufliche ChancenEigener Verantwortungsbereich, Expertenstatus, mehr Gehalt, neues Berufsfeld in Arztpraxen mit guten Zukunftsaussichten

Aufgaben als Digitalisierungs-ManagerIn für die Arztpraxis

Als Digi-ManagerIn bist du die bzw. der Digitalisierungsbeauftragte in deiner Praxis. Du kennst dich aus mit technischen Zusammenhängen der Praxis-EDV, den digitalen Patienten Tools, Vorgaben der Telematikinfrastruktur (TI), DSGVO und anderen IT-Sicherheitsrichtlinien. Du bist das Verbindungsstück zwischen Praxisteam, Patienten und Patientinnen sowie anderen Akteuren, die an digitalen Prozessen beteiligt sind, wie z.B. Softwareanbietern oder der KBV.

Mit deinem IT-Know-How kannst du identifizieren, welche Möglichkeiten eure Praxis hat, Praxisabläufe zu digitalisieren und damit den Arbeitsalltag reibungsloser und effizienter zu gestalten. Außerdem wirst du in der Lage sein, Risikoquellen für Datenlecks o.ä. zu erkennen und anhand von Checklisten die grundlegenden Anforderungen von IT-Sicherheit zu überprüfen. So kannst du euer bisheriges Datenschutzmanagement überarbeiten und verbessern damit eure Patientendaten und Computer möglichst sicher aufgehoben sind. Mit technischen Anbietern kannst du demnächst kompetent auf Augenhöhe kommunizieren ohne nur Bahnhof zu verstehen. 

Datenschutzprüfungen bereitest du fachgerecht vor, damit die Praxis allen Datenschutzbestimmungen regelkonform entspricht und die Prüfung ohne Mängel besteht.

Als Digitalisierungs-ManagerIn oder IT/EDV-Beauftragte/r bist du nicht nur ein wertvoller Ansprechpartner für alle Praxismitarbeiter, sondern begleitest auch Patienten auf ihrer digitalen “Patienten Journey”, indem du sie über die Möglichkeiten von Patiententools, aber auch zur Datensicherheit bei der Anwendung berätst.

Arbeitsorte

Die Fortbildung ist für MFA in kassenärztlichen Praxen ausgelegt. Sicherlich besteht auch Bedarf in Krankenhäusern und Kliniken, die an der ambulanten Versorgung teilnehmen und den Anforderungen der TI entsprechen müssen. 

Berufliche Chancen

Die Fortbildung zur Digi-Managerin bzw. zum Digi-Manager ist noch sehr neu. Dadurch das das Digitalisierungsthema in Zukunft aber immer mehr zunehmen wird, werden PraxismitarbeiterInnen mit speziellem IT-Know-How benötigt. 

Anfangs könnte die Funktion noch als Zusatzaufgabe für dich zum normalen Praxisalltag werden. Für diesen eigenen und verantwortungsvollen Bereich kannst du aber auch eine Gehaltserhöhung verlangen. Je nach Umfang der Fortbildung entspricht dies der Tarifgruppe III oder IV des MFA Gehaltstarifvertrags. Zukünftig könnte dies aber auch eine ganz eigene Stellenposition in der Arztpraxis werden, je nach Größe der Praxis und Aufwand der Digitalisierungsprojekte. 

Mit deinem eigenen Verantwortungsbereich und immer neuen IT-Anforderungen für die Praxis wird es garantiert nicht langweilig. Auch, wenn Digitalisierung für viele erstmal abschreckend ist, wirst du mit deinem neuen Expertenwissen die Scheu davor verlieren und bestimmt Spaß an digitalen, modernen Projekten finden, die dann hoffentlich auch den Praxisalltag vereinfachen.

Fortbildungsablauf

Die Fortbildung wird momentan noch von wenigen Fortbildungsanbietern angeboten. Entweder im reinen Onlineformat oder in einer Kombination aus Präsenz- und Onlineschulungen mit Selbststudium.

Es gibt teils feste Termine mit Live-Webinaren oder aufgezeichnete Schulungen, die flexibel gebucht werden können. Je nach Anbieter dauert die Fortbildung ab 8 Wochen bis zu einem Jahr.

Fortbildungsinhalte

Da es kein vorgeschriebenes Curriculum zu der Fortbildung Digitalisierungs-ManagerIn/ IT-Beauftragte/r für die Arztpraxis gibt, können die Fortbildungsanbieter frei entscheiden, welche Themen sie vermitteln und in welchem Umfang. 

Achte darauf, dass die wichtigsten Inhalte vermittelt werden, damit du ein grundlegendes Verständnis von IT, Digitalisierung und Datenschutz bekommst. Die Fortbildung sollte mindestens folgende Schwerpunkte umfassen: 

  • Übersicht der relevanten Gesetze
  • IT-Sicherheitsrichtlinie
  • Datenschutz und Datensicherheit
  • Grundlagen Telematikinfrastruktur       
  • Voraussetzungen: Konnektor, VPN-ZD, SMC-B, eKT
  • Fachanwendungen der Telematikinfrastruktur
  • Technische und organisatorische Voraussetzungen und Fristen
  • KIM (Kommunikation im Medizinwesen) inkl. eAU, eArztbrief, eRezept
  • TIM (TI-Messenger)
  • ePA (elektronische Patientenakte)
  • Telemedizinische Grundlagen und Anwendungen

Prüfung und Abschluss

Am Ende der Fortbildung erfolgt in der Regel eine schriftliche Abschlusskontrolle. Wenn du diese bestehst, erhältst du ein Zertifikat. Bei manchen Anbietern musst du eine Projektarbeit mit einer individuellen Digitalisierungsstrategie für deine Praxis erstellen. 

MFA mal anders- Tipp

Zusammen mit der Ärztekammer Westfalen-Lippe und dem Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie der Universität Witten/Herdecke hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) das Programm Digi-ManagerIn für MFA konzipiert. Die Fortbildung umfasst 205 Unterrichtsstunden und die MFA wird von der Praxis während der Weiterbildung freigestellt. Dafür erhalten die Praxen eine Aufwandsentschädigung von 5.000 Euro. Als Abschlussarbeit erstellen die MFA eine praxisindividuelle Digitalisierungsstrategie. Dies ist bestimmt eiin weiteres gutes Argument für die Praxisleitung, wenn du diese Fortbildung machen möchtest. Außerdem werden zwei bis drei Führungen in der “dipraxis” gemacht. Die “dipraxis” ist eine innovative Wechselausstellung im Dortmunder Ärztehaus, in der sich interessierte Praxen über Anwendungen in der digitalen Arztpraxis informieren und diese auch gleich direkt vor Ort testen können. 

Der Nachteil: Diese Weiterbildung richtet sich nur an MFA in Praxen aus Westfalen-Lippe. Aber es gibt weitere Anbieter, die ähnliche Weiterbildungen im Bereich Digitalisierung anbieten, die sich deutschlandweit an MFA richten. 

Außerdem gibt es von der Bundesärztekammer das Fortbildungscurriculum “Elektronische Praxiskommunikation und Telematik” mit insgesamt 80 Unterrichtseinheiten, die innerhalb von fünf Jahren absolviert werden müssen. Die Fortbildung kann als Teil von anderen Fortbildungen der BÄK gewählt werden, z.B. bei der Aufstiegsfortbildung „Fachwirt/in für ambulante medizinische Versorgung“ und kann dafür angerechnet werden.

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