
Studium
Physician Assistant
Auf einen Blick
- Voraussetzungen
Eine der folgenden Voraussetzungen:
- Hochschulzugangsberechtigung (Abitur, Fachabitur oder Berufsabschluss mit mind. 2 Jahren Berufstätigkeit in einem fachverwandten Bereich plus Hochschulzugangsprüfung)
- Abgeschlossene Berufsausbildung in einem geregelten Gesundheitsberuf (z. B. MFA) mit Note 3,0 oder besser
- Ggf. Bestehen der Äquivalenzprüfung
- Dauer
6–8 Semester (je nach Anbieter, berufsbegleitend, dual oder Vollzeit)
- Kosten
445 – 570 € pro Monat (gesamt ca. 18.000 – 20.000 €, je nach Anbieter)
- Fachbereich
- Alle Fachbereiche
- Arbeitsorte
- Klinik, MVZ, Arztpraxis, Reha-Einrichtung
- Berufliche Chancen
Übernahme delegierter ärztlicher Aufgaben und Bachelor-Abschluss – Eingruppierung deutlich über dem MFA-Tarif, je nach Position und Arbeitgeber.
Wenn du ein großes medizinisches Interesse hast und dir der direkte Patientenkontakt am Herzen liegt, ist vielleicht das Studium zum Physician Assistant das Richtige für dich.
Als Physician Assistant bist du das Bindeglied zwischen Pflegekräften und Ärztinnen und Ärzten. Du erhältst einen größeren Verantwortungsbereich und entlastest das ärztliche Team im Arbeitsalltag. Ärztliche Teams delegieren Tätigkeiten an dich, die sie sonst selbst durchführen würden. Darauf bereitet dich ein Studium vor. Du erlernst Kenntnisse, die auch im Medizinstudium vermittelt werden.
Physician Assistant ist ein relativ neuer Beruf in Deutschland. Übersetzen könnte man ihn mit Arztassistenz. In den USA und auch einigen anderen europäischen Ländern gibt es das Berufsbild schon lange. Im Jahr 2005 wurde der Studiengang auch in Deutschland eingeführt.
Die Aufgaben als Physician Assistant
Auf ärztliche Anordnung übernimmst du medizinische, organisatorische und administrative Tätigkeiten. Hört sich fast nach Medizinischer Fachangestellten an? Nicht ganz. Die Aufgaben eines Physician Assistant sind verantwortungsvoller und vielseitiger. Bei der Erledigung deiner Aufgaben bleibst du aus haftungsrechtlichen Überwachungs- und Sorgfaltspflichten immer ärztlich unterstellt.
Ein typischer Arbeitsalltag im Krankenhaus könnte z. B. so aussehen: Morgens nimmst du an der Visite teil und bist für die Dokumentation zuständig. Dabei werden Behandlungsfortschritte der Patient:innen kontrolliert und protokolliert. Nach ärztlicher Anweisung wechselst du Verbände, machst eine Lumbalpunktion und entfernst eine Drainage. Danach begleitest du eine Entlassung. Der Entlassungsbrief muss geschrieben werden und du führst das Entlassungsgespräch mit Patient:innen und Angehörigen. Später sichtest du die Laborergebnisse des Vormittags und hältst Rücksprache mit der Stationsärztin oder dem Stationsarzt über den weiteren Therapieverlauf. Dann muss noch die Verlegung einer Patientin oder eines Patienten organisiert werden. Klingt ganz spannend und abwechslungsreich, oder?
Aber es fallen noch weitere Aufgaben in den Bereich des Physician Assistant:
- Anamnese
- Diagnostik und Erstellen eines Behandlungsplans
- Patientenberatung
- Unterstützung bei komplexen Untersuchungen
- Durchführung von medizinisch-technischen Tätigkeiten
- Mitwirkung bei Eingriffen im OP oder der Wundversorgung
- Blutabnahmen
Arbeitsorte als Physician Assistant
Du kannst sowohl in der stationären Versorgung als auch in ambulanten Einrichtungen arbeiten. Am häufigsten sind Physician Assistants wohl in Krankenhäusern und Kliniken zu finden. Aber auch Rettungsstellen, Medizinische Versorgungszentren, Ärztehäuser oder OP-Zentren können zu den Einsatzorten zählen.
Berufliche Chancen als Physician Assistant
Nach dem Studium kannst du dich in der Position zwischen ärztlichem Team und Pflegepersonal einordnen. Deine Kenntnisse werden im Studium neben der Medizin auch mit Inhalten aus dem Prozess- und Qualitätsmanagement erweitert. Das macht dich zu einer wertvollen Fachkraft, die sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Versorgung eingesetzt werden kann.
Aufgrund des Ärztemangels gibt es außerdem viele unbesetzte Assistenzarztstellen. Deshalb setzen immer mehr Krankenhäuser auf den Physician Assistant. Deine Chancen auf eine attraktive Stelle stehen also nicht schlecht. Bedenke dabei auch mögliche Arbeitgeber auf dem Land. Dort ist der Ärztemangel noch stärker zu spüren und es wird vermehrt auf den Physician Assistant gesetzt, um Ärztinnen und Ärzte dort zu entlasten.
Was das Thema Gehalt angeht: im Vergleich zu deinem Gehalt als Medizinische Fachangestellte wird es deutlich steigen. Natürlich ist die Höhe des Gehalts immer individuell und nach dem Arbeitgeber zu betrachten. Es lassen sich im Internet aber Gehälter von ca. 3.000 bis 3.800 € je nach Position und Unternehmensgröße für den Physician Assistant finden.
Voraussetzungen
Um Physician Assistant zu werden, musst du ein Studium belegen. Auch ohne Abitur kannst du als MFA den Studiengang belegen. Dazu benötigst du eine abgeschlossene dreijährige Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf und mindestens 2 – 3 Jahre Berufserfahrung. Auch, wenn manche Hochschulen in ihren Beschreibungen, die Medizinische Fachangestellte als zugelassenen Ausbildungsberuf nicht direkt aufführen, zählt der Beruf zu den Gesundheitsfachberufen.
Studiumsablauf
Das Studium wird, je nach Anbieter, in unterschiedlichen Modellen angeboten. Berufsbegleitend, dual oder (selten) auch in Vollzeit.
Bei der dualen und berufsbegleitenden Form findet das Studium in Präsenzunterricht, Selbststudium und zusätzlichen Praxisphasen statt. So werden theoretische Inhalte mit der Praxis vernetzt. Bei den meisten Hochschulen sind mehrere Praxisphasen in kooperierenden Kliniken oder ambulanten Einrichtungen vorgesehen. Erfahrenes Fachpersonal sowie Ärztinnen und Ärzte leiten dich an und du lernst an praktischen Fällen, dein theoretisches Wissen anzuwenden oder zu vertiefen.
Neben Klausuren fallen auch Hausarbeiten oder Projektarbeiten an, die du neben dem Job anfertigst. Bestimmt musst du auch mal ein Referat oder eine Präsentation halten. Das gehört zum Studentendasein eben auch dazu. Im letzten Semester widmest du dich dann deiner Bachelorarbeit.
Inhalte des Studiums
| Studieninhalte |
|---|
| Anatomie |
| Innere Medizin, Allgemeine Chirurgie, Anästhesie, Notfallmedizin, Pharmakologie |
| OP-Lehre, Labor und Funktionsdiagnostik |
| Rechtliche Aspekte (Medizin-, Haftungs- und Strafrecht, Datenschutz) |
| Public Health |
| Qualitätsmanagement, Dokumentation |
| Vergütungssysteme im Gesundheitswesen |
| Wissenschaftliches Arbeiten |
Wie bereits erwähnt, kommen noch die Inhalte durch die praktische Ausbildung in der Klinik dazu.
Um das Berufsbild bundesweit zu schärfen, hat die Bundesärztekammer 2025 ein Positionspapier zur Physician Assistance mit Aufgaben- und Kompetenzprofil herausgegeben. Es beschreibt drei Kompetenzstufen (Basis-, erweiterte und Spezialkompetenzen) und bildet so eine fachlich fundierte Grundlage für die Weiterentwicklung des Studiengangs. Beim Vergleich haben die Hochschulen in den Bundesländern aktuell trotzdem noch teilweise unterschiedliche Zulassungsvoraussetzungen und Abläufe. Mehr Informationen über die genauen Studieninhalte findest du unten in den weiterführenden Links.
Kosten
Die Kosten für das Studium bewegen sich auf ca. 445 Euro – 570 Euro monatlich. Dazu kommen teilweise noch Anmeldungs- und Prüfungsgebühren (je nach Anbieter). Insgesamt kostet das Studium dann zwischen 18.000 und 20.000 Euro. Das ist natürlich happig. Falls dich das Studium wirklich interessiert, lass dich nicht direkt von der Summe abschrecken. Es gibt verschiedene Möglichkeiten für dich, dass Studium zu finanzieren.
Prüfung und Abschluss
Im letzten Semester schreibst du eine Bachelor-Arbeit. In der Regel musst du deine Ergebnisse anschließend noch mündlich „verteidigen“. Mit Bestehen der Bachelorarbeit schließt du das Studium mit dem akademischen Grad Bachelor of Science ab und darfst dich Physician Assistant nennen.
MFA mal anders – Meinung
Weiterbildung für Physician Assistant
Nach dem Bachelorstudiengang hast du die Möglichkeit den Mastertitel zu erlangen. Dafür wird ein vertiefendes Studium angehängt. Es dauert 5 Semester, also 2,5 Jahre. Im Masterstudium erhält man eine noch breitere Ausbildung in der Medizin. Das Studium zielt darauf ab, dass dir deine ärztlichen Mentor:innen im Laufe des Studiums gewisse ärztliche Aufgabenbereiche entsprechend deinem wachsenden Kompetenzprofil übergeben können (gemäß Anlage 24 BMV-Ä §4). Aktuell solltest du jedoch wissen, dass hierbei sowohl Bachelor- als auch Masterabsolvent:innen des Berufsbildes Physician Assistant den gleichen Tätigkeitsfeldern zugeordnet bleiben. Deshalb überlege dir gut, ob du die Zeit für einen Mastertitel investieren möchtest und was es dir wirklich bringt.
Um dein Wissen als PA zu vertiefen, gibt es mittlerweile auch viele Fortbildungsangebote für Physician Assistants, z.B. Echokardiographiekurse, Sonographiekurse, etc. Je nachdem, welche Bereiche dich am meisten interessieren und wo du bei deiner Arbeitsstelle eingesetzt wirst, bringen dir solche Seminare wahrscheinlich mehr.
Möchtest du noch mehr Einblicke in den Beruf des Physician Assistant nehmen? Dann kann ich dir dieses kurze Video von doccheck.com empfehlen. Hier wurde eine Physician Assistant und ein Chirurg in ihrem Berufsalltag begleitet.
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