KV Hessen erfasst fehlendes Entlassmanagement der Kliniken mit eigenen Ziffern
Praxen in Hessen können mit drei Pseudoziffern dokumentieren, wenn Kliniken ihr Entlassmanagement nicht oder unvollständig erledigen. Die Nacharbeit dafür landet meist bei den MFA.
Den Vorgang kennt jede Praxis: Ein Patient kommt nach der Klinikentlassung in die Sprechstunde, aber der Entlassbrief fehlt. Oder das Rezept. Oder die AU. Was folgt, sind Telefonate mit der Klinik, Warteschleifen und Vertrösten des Patienten. Diese Arbeit taucht in keiner Statistik auf und landet zum großen Teil bei den MFA an Anmeldung und Telefon.
In Hessen bekommt sie jetzt eine Ziffer. Die KV Hessen hat drei landesspezifische Pseudoziffern eingeführt: 98991 für fehlendes Entlassmanagement, 98992 für unvollständiges Entlassmanagement und 98993 für den Fall, dass das Krankenhaus eine Einweisung oder Überweisung von der Praxis anfordert. Praxen legen die Ziffern einmalig in den Stammdaten an, setzen sie fallbezogen an und tragen den Namen der betreffenden Klinik im Freifeld ein.
Dokumentation ohne Vergütung, aber mit Ziel
Vergütet werden die Ziffern nicht, es handelt sich um ein reines Dokumentationsinstrument. Der Zweck ist politisch: Mit belastbaren Zahlen will die KV Hessen die Defizite im Entlassmanagement der Kliniken sichtbar machen und gegenüber der Landespolitik entweder eine Honorierung des Mehraufwands in den Praxen oder ein Ende vermuteter Doppelabrechnungen erreichen.
Das Instrument gilt nur in Hessen, eine bundesweite Regelung gibt es nicht. Interessant ist der Vorgang trotzdem über das Bundesland hinaus: Koordinationsarbeit, die bisher unsichtbar blieb und überwiegend von MFA geleistet wird, wird systematisch gezählt. Für Praxisteams in anderen Regionen kann das ein Argument sein, ähnliche Erfassungen bei der eigenen KV anzuregen.