Praxiswissen
Blutentnahme in der Praxis: Reihenfolge, Röhrchen und Präanalytik für MFA

Inhalt
Venöse und kapilläre Blutentnahmen stehen im Ausbildungsrahmenplan der MFA.[6] Ob das Ergebnis aus dem Labor stimmt, entscheidet sich schon am Entnahmeplatz mit. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung nennt die Präanalytik, also alles vor der eigentlichen Messung, „von entscheidender Bedeutung“ für ein korrektes Laborergebnis.[1] Hämolytische Proben sind laut einer Arbeitsgruppe der europäischen Fachgesellschaft für Labormedizin weltweit noch immer der häufigste Grund, warum Proben unbrauchbar sind.[28]
Dieser Artikel begleitet Dich von der Anordnung bis zum Versand. Bei Reihenfolge und Kappenfarben widersprechen sich Hersteller und Empfehlungen, deshalb zeigen wir die Varianten nebeneinander. Am Ende gilt die Vorgabe Deines Labors. Das Wichtigste passt auf einen Spickzettel.
Worauf dieser Artikel beruht
Grundlage sind die Standard-Arbeitsanleitung der Fachgesellschaften für Labormedizin aus Deutschland, Österreich und der Schweiz von 2017, die europäische Empfehlung zur venösen Blutentnahme von 2018, das Präanalytik-Merkblatt der KBV (Stand Oktober 2025), die TRBA 250 in der Ausgabe vom November 2025 und die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung im Labor (Rili-BÄK). Ihre neuen Vorgaben zum Probenmaterial für Glukose und Kalium (Tabelle B 1-1) gelten spätestens ab dem 31.05.2028.[2] [3] [1] [9] [24] Der US-Standard CLSI GP41 wurde im Februar 2025 durch CLSI PRE02 ersetzt.[18] Maßgeblich für Dich bleibt das Präanalytik-Handbuch Deines Labors.[1] Dieser Artikel ersetzt keine Einweisung in Deiner Praxis.
Was Du darfst und was ärztlich bleibt
„Kapilläre und venöse Blutabnahmen können an entsprechend qualifizierte nichtärztliche Mitarbeiter delegiert werden“, schreiben Bundesärztekammer und KBV. Im selben Absatz steht, dass dabei die Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe zu beachten sind, heute die TRBA 250.[4] Die Delegationsvereinbarung (Anlage 24 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte) führt „Blutentnahme kapillär sowie venös“ im Beispielkatalog, mit der MFA als typischer Mindestqualifikation.[5]
Was das im Alltag heißt:
- Die Ärztin oder der Arzt entscheidet, ob und an wen delegiert wird. Sie oder er muss Dich auswählen, anleiten und regelmäßig überwachen.[5]
- Ärztlich bleiben unter anderem die Indikationsstellung, die Aufklärung und die Beratung.[5] Welche Werte bestimmt werden, legst also nicht Du fest. Den Befund bewertest Du auch nicht.
- Rufweite: Wer delegiert, muss sich grundsätzlich in unmittelbarer Nähe aufhalten. Als Beispiel für eine Ausnahme nennen BÄK und KBV die Blutentnahme: Vorher im Einzelfall angeordnete Blutentnahmen sind vor Sprechstundenbeginn möglich, wenn die Ärztin oder der Arzt erreichbar ist und notfalls kurzfristig in die Praxis kommen kann.[4]
- Bei Risikokonstellationen oder Provokationstests muss der Arzt hinzugezogen werden, so der Hinweis in der Anlage 24.[5]
- Einwilligung: Vor jedem Eingriff in den Körper braucht es die Einwilligung der Patientin oder des Patienten. Sie kann jederzeit formlos widerrufen werden.[8] Sagt jemand Stopp, hörst Du auf.
Im Ausbildungsrahmenplan steht die Blutentnahme unter lfd. Nr. 8.1 e, schwerpunktmäßig für die Zeit nach der Zwischenprüfung.[6] An Auszubildende darf grundsätzlich delegiert werden, die Ärztin oder der Arzt muss sich dann aber besonders sorgfältig vom Können überzeugen.[5] Mehr zu den Inhalten der Ausbildungsjahre findest Du in Ablauf und Inhalte der MFA-Ausbildung.
Nicht Routine: Arterielle Punktionen und Entnahmen aus einem Port gehören nicht zur normalen Blutentnahme. Die WHO verlangt für arterielle Entnahmen eine formale Schulung.[13] Die Punktion einer Portkammer ordnet die KRINKO einer höheren Risikogruppe mit sterilen Handschuhen zu.[11] Ob und von wem so etwas übernommen wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wann Du sofort die Ärztin oder den Arzt holst
- Kreislauf: Frag vorher, ob die Person Angst vor der Blutentnahme hat. Das kann helfen, eine Neigung zur Ohnmacht zu erkennen. Wer Angst hat oder während der Entnahme ängstlich wird, soll sich hinlegen.[3] Der Stuhl braucht Armlehnen.[3] Ein ruhiges, zugewandtes Gespräch oder Ablenkung kann ängstlichen Menschen helfen.[3] Kippt jemand weg, holst Du sofort ärztliche Hilfe.
- Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit im Arm während oder nach der Punktion: Sag der Ärztin oder dem Arzt Bescheid. Für die Blutspende empfiehlt die WHO bei solchen Zeichen einer Nervenreizung die ärztliche Abklärung.[13] Vorbeugen kannst Du, indem Du nicht mit der Nadel stocherst.[13]
- Hellrotes Blut, das sehr schnell fließt, kann auf eine versehentlich getroffene Arterie hinweisen. Die WHO nennt dafür (wieder für die Blutspende) fest drücken, mindestens 15 Minuten, und ärztliche Hilfe holen.[13]
- Die Punktion klappt nicht: Die deutschsprachige Arbeitsanleitung rät, einmal am anderen Arm neu zu punktieren. Klappt auch das nicht, bittest Du eine erfahrenere Kollegin oder die Ärztin beziehungsweise den Arzt.[2] Eine feste Höchstzahl an Versuchen nennt die europäische Empfehlung nicht.[3] Wie Eure Praxis das handhabt, legt am besten eine Praxisanweisung fest.
Vorbereitung
- Anordnung und Laborauftrag prüfen. Welche Untersuchungen, welche Röhrchen, nüchtern oder nicht, feste Uhrzeit? Die KBV nennt dazu das richtige Röhrchen für die Analyse, die aktuelle Medikation auf dem Auftrag und die Hinweise des Labors.[1]
- Person aktiv identifizieren. Frag „Wie heißen Sie?“ und lass Dir das Geburtsdatum nennen, statt nur bestätigen zu lassen („Sind Sie Frau …?“).[7] [3] Passen die Angaben nicht zum Auftrag oder zum Etikett, wird erst geklärt und dann abgenommen.[3]
- Vorbereitung erfragen, wenn sie angeordnet ist: nüchtern seit wann, Medikamente, Sport am Vortag.[3] Hat sich die Person nicht an die Vorgaben gehalten, klärst Du mit der Ärztin oder dem Arzt, ob die Entnahme verschoben wird. Wird trotzdem abgenommen, dokumentierst Du das.[3]
- 15 Minuten Ruhe. Ambulante Patientinnen und Patienten sollen vor der Entnahme etwa 15 Minuten sitzen und die Körperlage nicht wechseln.[3] [2]
- Material richten: Röhrchen laut Auftrag, Stauschlauch, Hautantiseptikum, keimarme Tupfer, Pflaster, Handschuhe.[2] [11] Als Kanüle nimmst Du ein Sicherheitsprodukt, das schreibt die TRBA 250 bei Blutentnahmen vor.[9] Den Abwurfbehälter stellst Du so nah wie möglich an den Entnahmeplatz.[9]
Gerade Kanüle oder Butterfly?
Beides ist möglich. Bei der Flügelkanüle (Butterfly) ist im Schlauch Luft, die das erste Röhrchen nicht ganz voll werden lässt. Beim Citratröhrchen ist das heikel, weil dort das Mischungsverhältnis stimmen muss.[15] Ziehst Du mit dem Butterfly ein Citratröhrchen als erstes oder einziges Röhrchen, nimmst Du deshalb vorher ein Verwerfröhrchen ab. Mit gerader Kanüle ist das nicht nötig.[3] [2]
Vakuum oder Aspiration?
Blutentnahmeröhrchen gibt es von mehreren Herstellern, zum Beispiel BD, Greiner und Sarstedt.[21] [30] [15] Gefüllt werden sie auf zwei Arten. Bei der Vakuumtechnik steckst Du das vorevakuierte Röhrchen in den Halter, der Unterdruck zieht das Blut. Bei der Aspirationstechnik ziehst Du den Kolben langsam zurück.[3] Die S-Monovette von Sarstedt lässt sich auf beide Arten füllen.[15] Die europäische Empfehlung beschreibt beide Techniken nebeneinander. Weil sich die Handhabung je nach Hersteller unterscheidet, gelten zusätzlich immer dessen Vorgaben.[3]
Röhrchen und Farbcodes: nach dem Zusatz denken
Die Kappenfarbe zeigt, welcher Zusatz im Röhrchen steckt. Nur gibt es dafür zwei Farbsysteme. Sarstedt etwa führt beide: den internationalen Farbcode nach ISO 6710 und einen EU-Farbcode, der sich an einer britischen Norm orientiert.[16] Die Fachgesellschaften für Labormedizin aus Deutschland, Österreich und der Schweiz empfehlen seit 2017 den ISO-Code.[2]
| Zusatz | Wofür typischerweise | Farbe nach ISO 6710 (z. B. BD, Greiner, Sarstedt-ISO) | Farbe im EU-Code (Sarstedt) |
|---|---|---|---|
| Citrat | Gerinnung | hellblau | grün |
| Serum (Gerinnungsaktivator) | klinische Chemie | rot | weiß |
| Serum mit Trenngel | klinische Chemie | uneinheitlich: gold oder gelb, bei Sarstedt braun | braun |
| Lithium-Heparin | klinische Chemie (Plasma) | grün | orange |
| EDTA | Hämatologie (z. B. Blutbild) | violett | rot |
| Glykolysehemmer (Fluorid) | Glukose | grau | gelb |
Die gefährlichste Verwechslung: Rot ist im EU-Code EDTA, im ISO-Code Serum. Grün ist im EU-Code Citrat, im ISO-Code Heparin.[16] Wechselt Deine Praxis das System oder springst Du in einer anderen Praxis ein, liest Du deshalb das Etikett, nicht nur die Kappe. Für Glukose gibt es außerdem Röhrchen mit Fluorid und Citrat, die je nach System wieder andere Farben tragen.[16]
Citratröhrchen genau füllen. Für Gerinnungstests gilt das Mischungsverhältnis ein Teil Citrat auf neun Teile Blut.[22] Ein Röhrchen, das weniger als 90 % der vorgesehenen Menge enthält, sollst Du laut europäischer Empfehlung vermeiden.[3] Ist zu wenig Blut drin, bindet der Überschuss an Citrat mehr Calcium als vorgesehen.[15]
Die Reihenfolge der Entnahme
Die Reihenfolge soll verhindern, dass Zusätze aus einem Röhrchen in das nächste verschleppt werden und Werte verfälschen.[2] In Deutschland sind zwei Reihenfolgen im Umlauf. Sie unterscheiden sich an einer Stelle: Kommt zuerst Citrat oder zuerst Serum?
| Schritt | Fachgesellschaften (DGKL 2017, EFLM 2018) und US-Standard CLSI (GP41) | KBV-Merkblatt 2025 („SCHEF-Regel“), DGKL-Arbeitsgruppe 2011 |
|---|---|---|
| 1 | Blutkultur | Blutkultur (falls nötig) |
| 2 | Citrat | Serum |
| 3 | Serum | Citrat |
| 4 | Heparin | Heparin |
| 5 | EDTA | EDTA |
| 6 | Glykolysehemmer (Fluorid) | Fluorid |
Citrat vor Serum empfehlen die deutschsprachigen Fachgesellschaften für Labormedizin seit 2017 und die europäische Fachgesellschaft EFLM.[2] [3] Dieselbe Abfolge gibt CLSI 2019 für seinen damaligen Standard GP41 an.[17] CLSI begründet das damit, dass Plastik-Serumröhrchen mit Gerinnungsaktivator Gerinnungstests stören können.[17] Auch BD und Greiner richten ihre Reihenfolge danach aus.[21] [30]
Serum vor Citrat stand 2011 in einer Musteranweisung der DGKL-Arbeitsgruppe Richtwerte, begründet damit, dass schon die Punktion Gerinnungsprozesse auslösen kann.[14] Dieselbe Abfolge nennt das aktuelle Präanalytik-Merkblatt der KBV als „SCHEF-Regel“.[1] Sarstedt druckt in seiner Broschüre beide Varianten nebeneinander, „nach Gurr“ und „nach CLSI“.[15]
Was in beiden Varianten gleich ist: Die Blutkultur kommt zuerst, EDTA nach Serum und Heparin, der Glykolysehemmer ans Ende der Standardröhrchen.[2] [1] Wo weitere Röhrchen wie für die Blutsenkung oder für Spurenelemente hingehören, regelt Dein Labor.[2]
Wie wichtig ist die Reihenfolge noch? Mit geschlossenem Vakuumsystem und sauberer Technik ist eine Verschleppung von EDTA laut einer Studie sehr unwahrscheinlich.[20] Die EFLM hält trotzdem an der Reihenfolge fest, weil im Alltag oft nicht unter idealen Bedingungen entnommen wird. Verschlepptes EDTA kann zum Beispiel Kalium falsch hoch und Calcium falsch niedrig erscheinen lassen.[19]
Für Dich heißt das: Frag nach, welche Reihenfolge Euer Labor vorgibt, und halte Dich daran. Greiner schreibt dazu auf seinem Poster: „Bitte beachten Sie für die Reihenfolge der Blutentnahme immer die Vorgaben Ihrer Einrichtung.“[30] Steht im Präanalytik-Handbuch nichts, sprich mit der Ärztin oder dem Arzt.
Schritt für Schritt: venöse Blutentnahme
- Hände desinfizieren. Vor einer Punktion ist die Händedesinfektion immer Pflicht, auch wenn Du danach Handschuhe trägst.[12]
- Handschuhe anziehen. Bei Blutabnahmen verlangt die TRBA 250 Handschuhe, sie nennt die Blutabnahme ausdrücklich als Beispiel. Medizinische Einmalhandschuhe reichen dafür in der Regel.[9] Die EFLM empfiehlt, die Handschuhe schon vor dem Stauen anzuziehen, damit die Stauzeit nicht zu lang wird. Für jede Person nimmst Du neue Handschuhe.[3]
- Stelle wählen. Lass den Arm zum Aussuchen nach unten ausstrecken. Erste Wahl sind die gut sichtbaren Venen in der Ellenbeuge, Handrückenvenen nur, wenn diese nicht gehen. Abtasten hilft Dir, die passende Stelle zu finden.[3] Nicht punktieren an einem liegenden Venenzugang, an verhärteten Venen, an einem Shunt oder Gefäßtransplantat, in einem Hämatom, an entzündeter oder geschwollener Haut, an einem gelähmten Arm oder einem Arm mit gestörtem Lymphabfluss.[3] Die Venen am Handgelenk sind ungünstig.[3]
- Stauen, nur wenn nötig und nur so kurz wie möglich. Die EFLM empfiehlt, möglichst ohne Stauschlauch zu punktieren und ihn nur zu nutzen, wenn es nötig ist.[3] Den Stauschlauch legst Du etwa eine Handbreit (rund 7,5 cm) oberhalb der Punktionsstelle an. Er staut die Vene, der Puls muss tastbar bleiben.[3] [2] Die gesamte Stauzeit soll höchstens eine Minute betragen.[3] Die Patientin oder der Patient soll die Faust nicht öffnen und schließen („pumpen“).[3] [2]
- Haut desinfizieren. Weil Du punktierst, verlangt die KRINKO unmittelbar vorher eine Hautantiseptik. Du kannst das Mittel aufsprühen oder mit einem Tupfer auftragen.[10] Das Hautantiseptikum braucht die Einwirkzeit, die der Hersteller angibt, und muss vor der Punktion abgetrocknet sein.[10] [11] Die desinfizierte Stelle tastest Du nicht noch einmal ab.[3]
- Punktieren und Röhrchen füllen, in der Reihenfolge Deines Labors. Jedes Röhrchen schwenkst Du direkt nach dem Füllen einmal vorsichtig über Kopf.[3]
- Stau lösen, sobald Blut in das erste Röhrchen fließt.[3] [2]
- Tupfer auflegen, Kanüle entfernen und sofort sichern. Nach dem letzten Röhrchen legst Du einen Tupfer auf die Einstichstelle, ohne zu drücken, und ziehst die Kanüle vorsichtig heraus. Erst dann drückst Du mit dem Tupfer.[3] Den Sicherheitsmechanismus aktivierst Du so, wie der Hersteller es vorgibt, je nach Produkt noch in der Vene oder direkt nach dem Herausziehen. Die Kanüle kommt sofort in den Abwurfbehälter.[3] [9] Keine Schutzkappe zurückstecken.[9]
- Alle Röhrchen noch viermal schwenken, insgesamt also fünfmal, außer der Hersteller gibt etwas anderes vor.[2] [3] Nicht schütteln.[3]
- Beschriften, solange die Person dabei ist. Ob vor oder direkt nach der Entnahme, das legt Eure Praxis fest. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit empfiehlt, die Röhrchen vor der Entnahme zu kennzeichnen.[2] [3] [7] Auf den Auftrag gehören Datum und Uhrzeit der Entnahme und wer abgenommen hat.[2]
- Nachdrücken und Pflaster. Die Person drückt sanft weiter und lässt den Arm gestreckt, denn ein gebeugter Arm begünstigt einen Bluterguss. Den Arm hochzuhalten, kann zusätzlich helfen.[3] Gedrückt wird, bis es nicht mehr blutet.[3] Als Richtwert nennt die deutschsprachige Arbeitsanleitung 3 bis 5 Minuten, bei Gerinnungshemmern bis zu 10 Minuten.[2] Das Pflaster kommt drauf, wenn es nicht mehr blutet.[3]
- Nachsorge. Die Person soll noch mindestens fünf Minuten sitzen bleiben, länger, wenn es noch blutet. Wem schwindelig ist, der sagt Bescheid.[3] Handschuhe ausziehen, Hände desinfizieren.[12]
Wie oft schwenken? Die Herstellerangaben unterscheiden sich, BD nennt je nach Röhrchen drei bis zehn Schwenkbewegungen.[21] Idealerweise, schreibt die EFLM, sollte die Zahl den Herstellerangaben entsprechen.[3] Steht auf Deiner Packung etwas anderes, richtest Du Dich danach.
Wenn Du die Blutentnahme üben willst, findest Du Kurse zur Blutabnahme in unserem Fortbildungskatalog.
Präanalytik: was Werte verfälscht
- Zu lange gestaut. Nach mehr als einer Minute treten Wasser und kleine Moleküle aus der Vene ins Gewebe, große Moleküle wie Eiweiße reichern sich an. Das verändert die Zusammensetzung der Probe deutlich.[3] Die KBV nennt zu lange und/oder zu intensive Stauung auch als Ursache für Hämolyse.[1]
- Gepumpt. Das Öffnen und Schließen der Faust kann Kalium falsch hoch erscheinen lassen.[3] Die WHO-Leitlinie von 2010 bittet noch um eine Faust, die neueren europäischen Empfehlungen raten davon ab.[13] [3]
- Körperlage gewechselt oder vorher Sport. Daher die 15 Minuten Ruhe und keine starke körperliche Belastung 24 Stunden vorher.[3]
- Uhrzeit nicht passend. Bei Medikamentenspiegeln und Werten mit Tagesrhythmus gibt die Ärztin oder der Arzt den genauen Zeitpunkt vor.[3] Deshalb gehört die Uhrzeit auf den Auftrag.[2]
- Glukose und Kalium im falschen Röhrchen. Ohne Glykolysehemmer läuft im Röhrchen die Glykolyse weiter, der Glukosewert fällt falsch niedrig aus.[27] Die Rili-BÄK verlangt deshalb: Wird das Plasma nicht innerhalb von 15 Minuten abgetrennt oder gemessen, braucht es ein Röhrchen mit geeigneter Glykolysehemmung. Serum ist für Glukose ungeeignet.[23] Für Kalium gilt Heparin-Plasma oder Vollblut, weil die Werte im Serum falsch hoch ausfallen.[23] Diese Vorgaben sind spätestens ab dem 31.05.2028 einzuhalten, bis dahin läuft eine Übergangsfrist.[24] Welche Röhrchen Du dafür nimmst, sagt Dir Dein Labor.
Hämolyse vermeiden
Bei der Hämolyse platzen rote Blutkörperchen, ihr Inhalt gelangt ins Serum oder Plasma. Kalium und bestimmte Enzyme wie LDH und AST steigen dadurch an.[22] Eine Hämolyse in der Probe lässt sich fast immer vermeiden, wenn man die Ursachen kennt.[22]
- Nicht zu dünne Kanüle. Die WHO nennt Kanülen mit 23 Gauge oder dünner als Risiko.[13]
- Langsam füllen. Bei der Aspiration ziehst Du den Kolben langsam und gleichmäßig.[2] Zu starker Sog erhöht laut WHO das Hämolyserisiko.[13] Bei der Spritze nicht auf den Kolben drücken, um Blut ins Röhrchen zu pressen.[13]
- Nicht aus einem liegenden Venenzugang abnehmen.[3] [13]
- Röhrchen richtig füllen, vor allem die mit Gerinnungshemmer.[13]
- Schwenken, nicht schütteln.[3] [13]
- Kanüle nicht biegen.[2]
- Nicht kühlen, nicht erhitzen. Vollblut gehört nicht in den Kühlschrank, Hitze und starke Kälte schaden der Probe.[2] [22]
- Nicht zu lange und nicht zu stark stauen.[1]
Ob nicht abgetrocknetes Desinfektionsmittel Hämolyse auslöst, ist umstritten: Die WHO nennt es als Ursache, die europäische Empfehlung verneint das.[13] [3] Abtrocknen lässt Du trotzdem, denn die KRINKO verlangt, die Einwirkzeit einzuhalten.[10]
Nüchtern zur Blutabnahme: was Du Patientinnen und Patienten sagst
Auf „Muss ich nüchtern kommen?“ und „Darf ich Kaffee trinken?“ brauchst Du am Telefon eine klare Antwort. Grundsätzlich empfehlen die europäischen Fachgesellschaften, Blut morgens nüchtern abzunehmen. Ausnahmen gelten für Notfälle und für Werte, bei denen belegt ist, dass es nicht nötig ist.[3] Auch die KBV nennt die Blutentnahme „nach Nahrungskarenz“.[1] Was im Einzelfall gilt, legt die Anordnung der Ärztin oder des Arztes fest.
Nüchtern heißt nach den europäischen und deutschsprachigen Empfehlungen:[3] [2]
- 12 Stunden vorher nichts essen und außer Wasser nichts trinken.
- Am Morgen keinen Kaffee, keinen Tee, keine Energydrinks.
- Nicht rauchen, keinen Kaugummi.
- 24 Stunden vorher keinen Alkohol.
- Termin am besten morgens zwischen 7 und 9 Uhr.
Nicht für alles gleich. Für die Nüchternglukose nennt die Deutsche Diabetes Gesellschaft eine Fastenzeit von 8 bis 12 Stunden.[27] Für Blutfette empfehlen die europäischen Fachgesellschaften für Atherosklerose und Labormedizin, routinemäßig nicht nüchtern zu messen.[25] Eine deutsche Praxisempfehlung für Menschen mit Diabetes (Gremien von DDG, DGE und DGK) macht das von Bedingungen abhängig, etwa ob die Triglyzeride erhöht sind und wie das LDL-Cholesterin bestimmt wird.[26] Welche Variante gilt, steht in der Anordnung oder bei Eurem Labor.
Medikamente: Die EFLM rät, Morgenmedikamente vor der Entnahme wegzulassen, sofern sie nicht lebenswichtig sind.[3] Bei Spiegelbestimmungen gibt die Ärztin oder der Arzt den genauen Zeitpunkt vor.[3] Ob jemand eine Tablette weglässt, entscheidet also die Ärztin oder der Arzt.
Ein Satz fürs Telefon: „Bitte kommen Sie morgens nüchtern. Das heißt: 12 Stunden vorher nichts mehr essen und außer Wasser nichts trinken, also auch keinen Kaffee. Ob Sie Ihre Tabletten nehmen, klären wir mit der Ärztin.“ Passe den Satz an das an, was Deine Praxis festgelegt hat.
Zum Zähneputzen sagen die ausgewerteten Empfehlungen nichts. Ist jemand nicht nüchtern gekommen, soll laut EFLM außer im Notfall möglichst nicht abgenommen werden.[3] Ob verschoben wird, klärst Du mit der Ärztin oder dem Arzt. Wird trotzdem abgenommen, dokumentierst Du das.[3]
Lagern und versenden
- Stehend lagern, bei Raumtemperatur, ohne Sonnenlicht. Vollblut kommt nicht in den Kühlschrank und wird nicht eingefroren.[2] [3]
- Gerinnen lassen. Für Vollblutproben ohne Zusätze nennt die KBV eine Ruhephase von 20 bis 30 Minuten bei Raumtemperatur.[1] Bei Serumröhrchen mit Gerinnungsaktivator geht die Gerinnung schneller.[22] Wie lange Ihr wartet, richtet Ihr nach den Hinweisen Eures Labors.[1]
- Zentrifugieren oder nicht? Die KBV empfiehlt, die Probe zu zentrifugieren und gegebenenfalls das Serum abzutrennen, wenn sie nicht zeitnah untersucht wird und die Praxis das kann. Maßgeblich sind die Hinweise Eures Labors.[1]
- Lichtempfindliche Werte schützt Du vor Licht, wo nötig hält die Praxis die Kühlkette ein, und der Transport ins Labor soll zeitnah erfolgen.[1]
- Beschriftung vor dem Versand noch einmal kontrollieren.[1]
Auch die Rili-BÄK verlangt, dass allen, die Proben entnehmen, Anleitungen für Entnahme, Behandlung und Transport zur Verfügung stehen. Eine Probe, die keinem Patienten eindeutig zuzuordnen ist, darf das Labor grundsätzlich nicht bearbeiten.[23]
Kapilläre Blutentnahme
Auch die kapilläre Entnahme ist an MFA delegierbar.[4] [5] Die Grundregeln:
- Haut desinfizieren, wie vor jeder Punktion. Für Blutzuckermessungen bei mehreren Personen hintereinander sind Einmallanzetten die beste Lösung.[10] Medizinische Einmalhandschuhe gehören dazu.[11]
- Stelle: Bei Erwachsenen ist der Finger in der Regel die bevorzugte Stelle.[13] Gestochen wird seitlich an der Fingerbeere. Die WHO nennt dafür in ihrer Übersicht (ab etwa 6 Monaten) Mittel- und Ringfinger. Daumen und Zeigefinger meidest Du wegen Hornhaut, den kleinen Finger wegen des dünnen Gewebes.[13]
- Ersten Tropfen abwischen, er kann Gewebeflüssigkeit enthalten.[13]
- Nicht zu fest drücken. Starkes Quetschen verdünnt die Probe mit Gewebeflüssigkeit und erhöht das Risiko einer Hämolyse.[13]
- Sicherheitslanzetten: Die TRBA 250 verlangt Sicherheitsgeräte bei Blutentnahmen und nennt Sicherheitslanzetten ausdrücklich für die häusliche Versorgung.[9]
Hygiene und Eigenschutz in Kürze
Die KRINKO ordnet die Blutentnahme beispielhaft den Punktionen mit geringem Infektionsrisiko zu (Risikogruppe 1): keimarme Tupfer, medizinische Einmalhandschuhe, keine Abdeckung.[11] Stauschläuche gibt es zum Mehrfach- und zum Einmalgebrauch. Die EFLM empfiehlt Einmal-Stauschläuche, weil wiederverwendbare mit multiresistenten Erregern besiedelt sein können.[3] Wie Eure Praxis das regelt, steht im Hygieneplan. Was ein Hygieneplan in der Arztpraxis enthalten muss, erklären wir in einem eigenen Artikel.
Für Deinen eigenen Schutz gilt die TRBA 250. Die Blutentnahme gehört zur Schutzstufe 2.[9] Pflicht sind Sicherheitsgeräte, Handschuhe, kein Zurückstecken der Schutzkappe und der Abwurfbehälter direkt am Platz.[9] Unterwiesen werden musst Du vor Beginn der Tätigkeit und mindestens einmal im Jahr.[9] Ist Dein Infektionsrisiko durch die Arbeit erhöht, gehören Impfungen zur arbeitsmedizinischen Vorsorge und müssen Dir angeboten werden.[29] [9] Für Tätigkeiten mit regelmäßigem, umfangreichem Kontakt zu Körperflüssigkeiten in Praxen und Kliniken sieht der Anhang der Verordnung eine Pflichtvorsorge unter anderem wegen Hepatitis B vor.[31]
Und wenn doch etwas passiert: Was Du nach einer Nadelstichverletzung sofort tust, steht im Abschnitt Eigenschutz: Wenn Du Dich an der Kanüle verletzt unseres Injektionsartikels.
Weiter lernen
Sicher wirst Du durch Übung unter Anleitung. Was in der praktischen Prüfung drankommen kann, steht im Guide zur praktischen MFA-Prüfung.
Wenn Dir Labor und Blutentnahme besonders liegen:
- MFA im Labor
- MFA im Blutspendedienst
- VERAH und NäPa für Hausbesuche
- Injektionen subkutan und intramuskulär und EKG anlegen, unsere weiteren Praxiswissen-Artikel
Und wenn Du eine Stelle mit Laborschwerpunkt suchst: In unseren Stellenangeboten in der Laboratoriumsmedizin findest Du passende Jobs.
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Quellen (31)
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: LaborKompakt: Praktische Tipps zur Präanalytik, Ausgabe 1/2025, Stand Oktober 2025, PDF, abgerufen am
- DGKL, SGKC und ÖGLMKC (von Meyer A, Cadamuro J, Streichert T, Gurr E et al.): Standard-Arbeitsanleitung zur peripher venösen Blutentnahme für die labormedizinische Diagnostik, J Lab Med 2017;41(6):333–340, abgerufen am
- EFLM und COLABIOCLI (Simundic AM et al.): Joint EFLM-COLABIOCLI Recommendation for venous blood sampling, Clin Chem Lab Med 2018;56(12):2015–2038, englisch, abgerufen am
- Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung: Persönliche Leistungserbringung: Möglichkeiten und Grenzen der Delegation ärztlicher Leistungen (Stand 29.08.2008), PDF, abgerufen am
- Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband: Vereinbarung über die Delegation ärztlicher Leistungen an nichtärztliches Personal (Anlage 24 BMV-Ä) mit Beispielkatalog, vom 01.10.2013, Stand 01.01.2015, PDF, abgerufen am
- Bundesministerium der Justiz: Verordnung über die Berufsausbildung zum Medizinischen Fachangestellten/zur Medizinischen Fachangestellten (MedFAngAusbV), Anlagen 1 und 2, abgerufen am
- Aktionsbündnis Patientensicherheit: Handlungsempfehlungen zur sicheren Patientenidentifikation, PDF, abgerufen am
- Bundesministerium der Justiz: § 630d BGB: Einwilligung, abgerufen am
- Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (BAuA): TRBA 250: Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege, Ausgabe November 2025, 1. Änderung 14.11.2025, PDF, abgerufen am
- Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut: Anforderungen an die Hygiene bei Punktionen und Injektionen, Bundesgesundheitsbl 2011;54:1135–1144, PDF, abgerufen am
- KRINKO beim Robert Koch-Institut: Kommentar zur Empfehlung Anforderungen an die Hygiene bei Punktionen und Injektionen, Epidemiologisches Bulletin 26/2021, PDF, abgerufen am
- KRINKO beim Robert Koch-Institut: Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens, Bundesgesundheitsbl 2016;59:1189–1220, PDF, abgerufen am
- World Health Organization: WHO guidelines on drawing blood: best practices in phlebotomy (2010), PDF, englisch, abgerufen am
- Arbeitsgruppe Richtwerte der DGKL (Gurr E et al.): Musterstandardarbeitsanweisung Präanalytik, J Lab Med 2011;35(1):55–60, abgerufen am
- SARSTEDT AG & Co. KG: Grundlagen der venösen Blutentnahme (Broschüre, 12/2024), PDF, Herstellerangabe, abgerufen am
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- Clinical and Laboratory Standards Institute (CLSI): Order of Blood Draw Tubes and Additives (Blog, 19.03.2019), englisch, abgerufen am
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- World Health Organization (Banfi G, Bauer K, Guder WG et al.): Use of anticoagulants in diagnostic laboratory investigations, WHO/DIL/LAB/99.1 Rev.2 (2002), PDF, englisch, abgerufen am
- Bundesärztekammer: Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (Rili-BÄK), Fassung vom 14.04.2023 (DÄ 30.05.2023), Fußnote zu Tabelle B 1-1 geändert 2025, PDF, abgerufen am
- Bundesärztekammer: Änderung der Rili-BÄK (Fußnote zu Tabelle B 1-1), Deutsches Ärzteblatt vom 08.08.2025, PDF, abgerufen am
- European Atherosclerosis Society und EFLM (Nordestgaard BG et al.): Fasting is not routinely required for determination of a lipid profile, Eur Heart J 2016;37:1944–1958, englisch, abgerufen am
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (Parhofer KG et al.): DDG-Praxisempfehlung: Lipidtherapie bei Patienten mit Diabetes mellitus, Update 2025, Diabetol Stoffwechs 2025;20(Suppl 2), ab S306, PDF, abgerufen am
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (Landgraf R et al.): DDG-Praxisempfehlung: Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus, Update 2025, Diabetol Stoffwechs 2025;20(Suppl 2):S127–S143, PDF, abgerufen am
- EFLM Working Group Preanalytical Phase (Lippi G et al.): Practical recommendations for managing hemolyzed samples in clinical chemistry testing, Clin Chem Lab Med 2018;56(5):718–727, englisch, abgerufen am
- Bundesministerium der Justiz: Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV), § 6, abgerufen am
- Greiner Bio-One GmbH: Poster Blutentnahme-Reihenfolge VACUETTE (rev.03, 04.2021), PDF, Herstellerangabe, abgerufen am
- Bundesministerium der Justiz: Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV), Anhang Teil 2, abgerufen am
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