
Weiterbildung –Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste – Medizinische Dokumentation (FaMI MedDok)
Du liebst die Medizin, aber der tägliche Trubel in der Arztpraxis zehrt an dir? Kein Wunder – volle Wartezimmer, Zeitdruck, Patientenkontakt von morgens bis abends, dazu noch Telefon, Abrechnung und das nächste Notfall-EKG. Wenn du dir innerlich schon öfter gedacht hast: „Das muss doch auch anders gehen“ – dann könnte die Umschulung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Medizinische Dokumentation (kurz: FAMI) genau das Richtige für dich sein.
Denn als FAMI arbeitest du weiterhin im medizinischen Umfeld und nutzt dein vorhandenes Fachwissen – aber statt Patientenbetreuung und Sprechstundenassistenz steht bei dir die strukturierte, verantwortungsvolle Arbeit mit medizinischen Daten im Mittelpunkt. Du erfasst, klassifizierst und pflegst Diagnosen, Befunde und Behandlungsdaten, bereitest sie für Abrechnung, Qualitätssicherung oder klinische Forschung auf und arbeitest dabei eng mit IT-Systemen und Datenbanken. Kein direkter Patientenkontakt – dafür strukturierte Abläufe, planbare Arbeitszeiten und ein Berufsfeld mit echter Zukunft.
Auf einen Blick
Voraussetzungen
- Kein formaler Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben
- Mittlerer Schulabschluss empfohlen
- Gute Deutsch- und EDV-Grundkenntnisse erforderlich
- Medizinische Vorkenntnisse als MFA sind ein deutlicher Vorteil
Dauer
- Umschulung: 24 Monate (reguläre Ausbildung: 3 Jahre)
Kosten
- Variabel, je nach Bildungsträger und Standort (einige tausend Euro)
- Förderung über Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters möglich
Arbeitsorte
- Krankenhäuser und Universitätskliniken
- MVZ und große Facharztpraxen
- Forschungs- und klinische Studienzentren
- Krankenkassen (GKV und PKV)
- Unternehmen der Gesundheits-IT
- Pharmaunternehmen
Berufliche Chancen
- Einstiegsgehalt im öffentlichen Dienst ab ca. 3.000 € brutto/Monat (EG 6/7 TVöD)
- Mittleres Gehalt: ca. 3.500 – 4.200 € brutto/Monat
- Zukunftssicheres Wachstumsfeld durch fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen
Deine Aufgaben als FAMI in der Medizinischen Dokumentation
Als FAMI in der Fachrichtung Medizinische Dokumentation bist du Informationsspezialistin. Du kümmerst dich um den professionellen und regelkonformen Umgang mit medizinischen Daten – eine Aufgabe, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, aber enorm viel Genauigkeit, Fachkenntnis und Verantwortung erfordert.
Im Kern geht es darum, medizinische Informationen zu erfassen und nutzbar zu machen. Konkret bedeutet das: Du liest Krankenakten, Arztbriefe und Befundberichte und verschlüsselst die darin enthaltenen Diagnosen, Therapien, Medikationen und Operationen mithilfe standardisierter Kodiersysteme wie ICD-10 oder OPS. Diese Kodierungen sind unter anderem die Grundlage für die korrekte Abrechnung im Krankenhaus – ohne präzise Dokumentation kein korrektes Geld. Du wirst schnell merken, dass dein medizinisches Vorwissen als MFA hier ein echter Trumpf ist.
Typische Aufgaben in deinem Arbeitsalltag:
- Erfassen und Erschließen von Befunden, Krankenakten und medizinischen Informationen
- Klassifizieren von Diagnosen, Therapien, Medikationen, Operationen und Komplikationen
- Dokumentieren von Daten aus klinischen Studien (Arzneimittelprüfung, Therapieerprobung)
- Verschlüsselung und Anonymisierung von Daten für die Weitergabe an Dritte
- Pflege und Weiterentwicklung von Datenbankstrukturen
- Erstellung statistischer Auswertungen
- Anwendung des Datenschutzes nach aktuellen gesetzlichen Regelungen
- Bearbeitung von Verwaltungsaufgaben und Nutzung spezifischer IT-Systeme
Arbeitsorte als FAMI
Einer der großen Vorteile dieser Umschulung ist die Vielfalt der möglichen Arbeitgeber. Du bist nicht mehr auf Arztpraxen angewiesen, sondern kannst dort arbeiten, wo medizinische Daten anfallen und professionell verwaltet werden müssen – und das ist eine ganze Menge.
Klassische Arbeitgeber sind Krankenhäuser und Universitätskliniken, die medizinische Dokumentarinnen für ihre Kodierstellen, Archivverwaltung oder DRG-Abteilungen (Fallpauschalen-Abrechnung) dringend benötigen. Auch medizinische Versorgungszentren und Großpraxen bauen zunehmend auf professionelle Dokumentation.
Besonders spannend: Forschungs- und klinische Studienzentren. Hier dokumentierst du Daten aus Arzneimittelstudien und klinischen Prüfungen – eine anspruchsvolle Tätigkeit mit direktem Bezug zur medizinischen Forschung. Du wirst in diesem Umfeld möglicherweise auch Berührungspunkte mit dem Berufsbild der Study Nurse haben, die ebenfalls in klinischen Studien tätig ist. Während die Study Nurse aber pflegerische bzw. diagnostische Aufgaben und direkten Patientenkontakt übernimmt, liegt dein Fokus als FAMI klar auf der Datenseite – der Dokumentation, Auswertung und Qualitätssicherung von Studiendaten. Beide Berufsbilder ergänzen sich in diesem Setting sehr gut.
Weitere Möglichkeiten findest du bei gesetzlichen und privaten Krankenkassen, in der Gesundheits-IT oder in der Pharmaindustrie. Dort werden Fachkräfte gesucht, die medizinisches Wissen mit Datenverständnis und IT-Affinität verbinden – eine Kombination, die nicht gerade häufig ist und dich entsprechend wertvoll macht.
Berufliche Chancen
Die Berufsaussichten für FAMI in der Fachrichtung Medizinische Dokumentation sind gut – und sie werden perspektivisch besser. Die fortschreitende Digitalisierung des Gesundheitswesens, die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) und der wachsende Bedarf an sauberer Datenbasis für Abrechnung, Qualitätssicherung und Forschung treiben die Nachfrage nach qualifizierten Dokumentationsfachkräften weiter an.
Beim Einstiegsgehalt bewegst du dich im öffentlichen Dienst in der Regel in den Entgeltgruppen 6 oder 7 des TVöD – das entspricht einem Einstiegsgehalt von ungefähr 3.000 € brutto im Monat. Mit wachsender Erfahrung und Spezialisierung sind mittlere Gehälter von 3.500 bis über 4.000 € brutto realistisch. In der Privatwirtschaft – etwa in Pharmaunternehmen oder Gesundheits-IT-Firmen – können die Konditionen davon abweichen.
Wenn du nach deiner Umschulung Feuer gefangen hast, stehen dir auch Weiterbildungswege offen: Du kannst dich zur Fachwirtin für Informationsdienste qualifizieren, Leitungsfunktionen in Dokumentationsabteilungen anstreben oder mit einem Studium im Bereich Gesundheitsinformatik, Medizinische Informatik oder Informationsmanagement noch eine Stufe drauflegen.
Umschulungsablauf
Die FAMI-Umschulung dauert in der Regel 24 Monate – und nicht drei Jahre wie die reguläre Ausbildung. Sie ist damit nicht nur kürzer, sondern auch intensiver. Der Abschluss ist aber rechtlich vollständig gleichgestellt mit dem regulären Ausbildungsabschluss. Du legst die gleiche Abschlussprüfung ab und trägst denselben Berufsabschluss.
Organisatorisch ist die Umschulung meist schulisch aufgebaut: Du besuchst einen Bildungsträger und absolvierst dort theoretischen Unterricht in Vollzeit. Ein wesentlicher Teil der Ausbildungszeit besteht aber auch aus mehrmonatigen betrieblichen Praxisphasen, in denen du in Krankenhäusern, Studienzentren, Krankenkassen oder ähnlichen Einrichtungen mitarbeitest und erste Berufserfahrung sammelst. Das ist deine Chance, Kontakte zu knüpfen und dich einem möglichen Arbeitgeber zu empfehlen.
Was die Kosten angeht: Diese variieren je nach Bildungsträger und Region und können sich auf einige tausend Euro summieren – inklusive Lehrmittel, Prüfungsgebühren und eventuell Fahrtkosten. Allerdings ist die gute Nachricht: Wenn du arbeitssuchend oder von Arbeitslosigkeit bedroht bist, kannst du einen Bildungsgutschein bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter beantragen, der die Kosten vollständig oder teilweise übernimmt. Eine frühzeitige Beratung dort lohnt sich auf jeden Fall.
Umschulungsinhalte
Die Inhalte der FAMI-Ausbildung in der Fachrichtung Medizinische Dokumentation sind durch eine bundesweit gültige Ausbildungsverordnung geregelt. Das gibt dir eine verlässliche Grundlage, egal bei welchem Bildungsträger du die Umschulung absolvierst.
Die Lerninhalte lassen sich grob in zwei Bereiche aufteilen: fachrichtungsübergreifende Grundlagen und fachrichtungsspezifische Vertiefung.
Fachrichtungsübergreifende Inhalte (gelten für alle FAMI-Fachrichtungen):
- Arbeitsorganisation und Bürowirtschaft
- Informations- und Kommunikationssysteme
- Beschaffung, Erschließung und Bereitstellung von Informationen
- Öffentlichkeitsarbeit und Werbung
- Recht und wirtschaftliche Grundlagen
Fachrichtungsspezifische Inhalte für Medizinische Dokumentation:
- Medizinische Klassifikations- und Kodiersysteme (ICD-10, OPS, DRG)
- Erfassung und Erschließung von Befunden, Krankenakten und medizinischen Informationen
- Dokumentation klinischer Studiendaten
- Datenbankstrukturen – Entwurf, Erprobung und Pflege
- Statistische Auswertungen und Reporting
- Datenschutz und Datensicherheit nach aktueller Gesetzgebung
- Verschlüsselung und Anonymisierung medizinischer Daten
Prüfung und Abschluss
Am Ende der Umschulung legst du die reguläre Abschlussprüfung ab – identisch mit der Prüfung, die auch alle anderen FAMI-Auszubildenden absolvieren. Die Prüfung gliedert sich in einen schriftlichen Teil mit drei Prüfungsbereichen: „Beschaffen und Aufbereiten von Medien und Informationen“, „Informationsdienstleistungen“ sowie „Wirtschafts- und Sozialkunde“. Dazu kommt eine mündliche bzw. praktische Prüfung, in der du anhand realer Aufgabenstellungen zeigst, dass du das Gelernte eigenständig anwenden kannst.
Mit bestandener Prüfung erhältst du den staatlich anerkannten Abschluss als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Medizinische Dokumentation – ein bundesweit anerkannter Berufsabschluss, der dir alle genannten Türen öffnet.
MFA mal anders – Meinung
Die FAMI-Umschulung ist nichts für alle – aber für bestimmte MFAs könnte sie genau der richtige Schritt sein. Wenn du merkst, dass dir die administrative Seite der Medizin mehr liegt als die klinische, wenn du gerne strukturiert und konzentriert arbeitest, IT-Affinität mitbringst und auf Wochenenddienste sowie körperliche Belastungen gerne verzichtest – dann solltest du diese Option ernsthaft in Betracht ziehen.
Was mich besonders überzeugt: Du verlässt die Medizin nicht. Dein Wissen als MFA ist in der Medizinischen Dokumentation kein nettes Beiwerk, sondern echter Vortvorteil. Kolleginnen ohne medizinischen Hintergrund müssen sich das Grundlagenwissen erst erarbeiten – du bringst es mit. Klinische Begriffe, Diagnosen, Behandlungsabläufe – das ist für dich kein Fremdwort.
Wenn dich das Thema klinische Forschung besonders reizt und du dir vorstellen kannst, auch wieder etwas mehr Patientennähe zu haben, wirf auch einen Blick auf die Study Nurse. Dieser Beruf ist ebenfalls in klinischen Studienzentren verankert, beinhaltet aber mehr pflegerische Aufgaben und direkten Kontakt mit Studienteilnehmern. FAMI und Study Nurse sind keine Konkurrenz, sondern ergänzende Rollen – und manchmal hilft ein Vergleich, herauszufinden, wo man wirklich hinmöchte.
Mein Fazit: Wenn der Praxisalltag seinen Reiz verloren hat, du aber in der Medizin bleiben willst – informiere dich bei der Agentur für Arbeit, prüfe die Fördermöglichkeiten und schau dir konkrete Bildungsträger in deiner Region an. Diese Umschulung kann der Karrierebooster sein, den du dir schon länger gewünscht hast.
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